Hallo yihi,
Ich teile deine Ansichten nicht.
- 'Barriers to entry' sind besonders tief im Bereich Elektroautos. Das bedeutet, dass jeder bedeutende Automobilhersteller in den Markt einsteigen kann, sobald es ökonomisch sinnvoll ist
Wenn wir schon von Markteintrittsbarrieren sprechen, sind sie in diesem Markt überwiegend logistischer Natur.
Alle Hersteller haben ein Händlernetz mit Werkstätten und ein entsprechend komplexes Netz von Zulieferbetrieben. Die Händlerstützpunkte können nur deshalb profitabel wirtschaften (den meisten gelingt dies nicht), weil unzählige Dinge an den herkömmlichen Autos ausgewechselt werden müssen, die es bei einem Elektroauto nicht (mehr) gibt: Von A wie Auspuff bis Z wie Zahnriemen.
Dieses auf der Inputseite (Lieferanten) und Outputseite (Vertrieb und Werkstatt) über viele Jahre optimierte, fein tarierte Gebilde müsste konsequenterweise für ein Elektroauto komplett neu entwickelt werden – sehen wir von Komponenten für das Fahrwerk und die Innenausstattung einmal ab.
KIA hat kürzlich mit dem Soul EV ein richtig gutes Elektrowägelchen auf die Räder gestellt. In Deutschland haben aber die in großen Strukturen zusammengefassten Händlergruppen überwiegend entschieden, den Verkauf und die Wartung dieses Wagens abzulehnen. Begründung: Wegen zu erwartender geringer Stückzahl ein unverhältnismäßig hoher Aufwand bei der Umrüstung der Werkstätten und der Schulung des Personals.
Auch das ist einem „gesunden“ ökonomischen Denken geschuldet, widerlegt allerdings deine These, dass die Markteintrittsbarrieren „besonders tief“ sind. Das sind sie eben nicht. Sie sind aufgrund der vorhandenen (verkrusteten) Strukturen der „etablierten“ Hersteller in Wirklichkeit extrem hoch.
- Aktuell verliert TSLA an jedem verkauften Auto Geld. Ohne subsidies wäre es noch viel mehr
Wir sehen im Wochenturnus von den bekannten Herstellern teuer auf die Räder gestellte Konzeptstudien, mit denen die „Leichtigkeit“ eines Einstiegs in diesen Markt suggeriert wird. Schaut man genauer hin, offenbart sich folgendes Strickmuster: In aus der Großserie bekannte Karrossen wird ein elektrischer Antrieb implantiert – nach dem Prinzip des geringsten Widerstands. Daran ist nichts innovativ.
Eine Ausnahme stellt BMW dar, die richtig viel Geld in die Hand genommen haben, um neue Wege beim Karrosseriebau zu gehen. BMW sah das wohl als ökonomisch sinnvoll an, obwohl jedes produzierte i-Modell ein Verlustbringer ist. Fiat hat bei seinem elektrischen 500er nach kurzer Zeit die Notbremse gezogen und seinen Vertrieb angewiesen, die Stromer wegen der erheblichen Verluste nicht weiter in den Markt zu drücken.
BMW und FIAT haben sich übrigens bei der Entwicklung ihrer Elektrowagen direkt oder indirekt aus Fördertöpfen bedienen können. Auf eine damit zu vergleichende Förderungsstrategie blickt Telsa nicht zurück. Tesla handelt mit CO2 Zertifikaten – dies ist keine staatliche Förderung. Käufer dieser Zertifikate sind andere Automobilhersteller in den USA, die damit ihre „Bilanz“ aufpolieren.
Ich halte fest: Alle Hersteller von Elektroautos wirtschaften defizitär. Die einen bedienen sich aus dem Staatshaushalt (sehr extrem in Frankreich) und somit dem Steuersäckel der Bürger, Tesla nutzt entsprechende Rahmenbedingungen beim Handel mit Zertifikaten, die sich dem Steuersäckel gegenüber neutral darstellen. Und: Die vom jeweiligen Absatzmarkt gewährten Prämien beim Kauf eines Elektroautos wandern in die Tasche des Käufers. Tesla sieht davon keinen Cent.
Einen habe ich noch: Während sich andere Hersteller keinen Deut um die Infrastruktur (Elektrotankstellen) kümmern, mit den Fingern auf den Staat und entsprechende Fördertöpfe zeigen und sich zeitgleich dabei mit verschiedenen zueinander inkompatiblen Ladekonzepten im „klein-klein“ zerreiben, hat Tesla letzte Woche die Eröffnung seines 30. Superchargers in DE bekannt gegeben. Dort kann kostenlos „getankt“ werden.
Genaue Zahlen zu den Kosten eines Supercharges liegen nicht vor, Experten schätzen jedoch die Investion für eine Station auf 150 bis 200.000 €. Das sind rund 5 Millionen € allein Deutschland, die Tesla in die Hand genommen hat – was selbstverständlich in die Kosten fließt und deshalb das Model S so „unwirtschaftlich“ macht. Bitte auf die Jahreszahlen klicken:
http://www.teslamotors.com/supercharger
- TSLA versucht verzweifelt Barriers to Entry zu errichten, indem sie die Gigafactory bauen. Dies ist jedoch ein riesiges Risiko, bei CAPEX von 4-5bn in eine Technologie die bereits 2020 obsolet sein könnte (solid state batterien)
Inwieweit diese Strategie eine „Verzweiflungstat“ ist, möchte ich nicht diskutieren. Tatsache ist, dass es sich um eine gigantische Infrastrukturmaßnahme handelt, die nur zu einem sehr geringen Teil vom Bundesstaat Nevada gefördert wird. Elon hat hierzu ein ausführliches Statement abgegeben:
http://www.teslamotors.com/blog/house-always-wins
Zu den Solid State Batterien: Seit rund 5 Jahren wird dort geforscht und entwickelt. Bislang liegt nichts verwertbares vor. Sollte tatsächlich irgendwann eine mit kostengünstiger Fertigungstechnik verfügbar sein, bietet der Tesla Standort in Nevada gute Rahmenbedingungen zur Implementierung. Es hat nichts mit Markteintrittsbarrieren zu tun, wenn sich Hersteller wie Mercedes, Bosch und andere Marktteilnehmer seit einem Jahr konsequent vom Thema der Akkufertigung und Forschung verabschieden.
Anstatt hier eine Allianz zu bilden und vorhandene Kompetenz zu bündeln, wird nach dem bereits erwähnten „klein-klein“ verfahren und ein Schlüsselmarkt sich selbst (sprich: Tesla) überlassen. Die Verzweiflungstäter sehen wir nicht bei Tesla. Es sind die vielen kleinen innovativen Mittelständler und die Großhersteller selbst, die in einem Akt der Verzweiflung die Brocken hinschmeissen.
- Elon Musk betreibt gezielt Stock Promotion auf Twitter und lügt über die Nachfrage in China und auch den USA. Man findet Fotos von ganzen Parkplätzen voll von herabgesetzten Teslas, während Elon stets behauptet, dass sie nicht genug produzieren können, um die Nachfrage zu erfüllen.
Was Elon auf Twitter macht oder nicht ist sein Bier. Bezüglich China ist Elon weise genug, nicht die Ursache für die schlechte Entwicklung zu nennen: Es sind die Markteintrittsbarrieren, die China gegenüber ausländischen Produzenten hoch zieht. Möglicherweise hat er auch schlicht keine Lust darauf, sich dort mit Schmiergeldern den Weg ebnen zu lassen.
Die Fotos von den Parkplätzen mit „unverkäuflichen“ Model S habe ich bislang noch nicht gefunden. Bekannt sind Produktionskontingente, die für diverse Sicherheitstests gebraucht werden. Dazu gehören auch Fahrzeuge, die den Hilfsdiensten für die Übung von Bergungsaktionen und Brandbekämpfung zur Verfügung gestellt werden müssen. Da kommen schon mal einige Dutzend zusammen:
https://www.youtube.com/watch?v=jCoUhy2Ypb8
Beste Grüße vom
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.zip