Beitrag ohne Flieger, Piloten, VT und Pietätsmanagement vs. Clickraten

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 06:11 vor 3943 Tagen 4324 Views

Guten Tag allen Lesern,

ich mache mir zu Zeit Gedanken über die Reduktion von Komplexität in Arbeits- und Alltagssituationen durch Transparenz.

Dazu sammele ich Input jeder Art. Wenn also jemand »sachdienliche Hinweise« hat, würde ich mich freuen.

Als Anregung, zum Nachdenken, ein paar Fragen:

(dabei gehe ich von einem »natürlichem« Empfinden der Komplexität aus)

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?
2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?
3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise komplementär?
4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des »Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Und nun zu euch:
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen nicht mehr?
6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer Komplexität zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten: Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?
7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?

Vielleicht interessiert sich ja der Eine oder die Andere dafür. Es würde mich freuen.

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Einfach

Dragonfly @, Samstag, 28.03.2015, 07:49 vor 3943 Tagen @ Arvid 3338 Views

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?

Der minimalst moegliche umd das Problem zu loesen.

2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen?

Nein!

Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?

Ja!

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?

Antagonisten.

4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Weiss ich nicht. Hoert sich aber nach Hype an.

5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen nicht
mehr?

Das ist eigentlich eine schwierige Frage. Eigentlich den minimalst Moeglichen. Einserseits will ich ein Tuerschloss mit Schluessel und keine Tuer, die ich nur mit meinem Handy oeffnen kann. Andererseits hasse ich Kontrolle auf meinem Computer und Handy. Also Linux und Android (Cyanogen) statt iOS und Windows. Hier waehle ich das komplexere System. Man koennte aber fragen, ob meine IT "Probleme" uerberhaupt mit Windows sinnvoll zu loesen sind.

6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer Komplexität
zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?

Jeder Gesellschaft geht an Komplexitaet zu Grunde.
http://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Tainter

7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?

Gute Frage. Muss ich darueber nachdenken.


Ich schliesse mit Leibnitz:

"A complex equation describing complex data isn't a law since it does not possess simplicity"

Sofern man irgend kann: Reduzieren - Solon von Athen „Nichts zu sehr!“

azur @, Samstag, 28.03.2015, 10:12 vor 3942 Tagen @ Arvid 2917 Views

Hallo arvid,

nicht nur in der Psychotherapeutik wird immer geraten Komplexität grundsätzlich zu reduzieren, zumindest aber Übersichtlichkeit, welche auch ein Ressourcen beansprucht, erhalten und verbessern. Es auf jeden Fall so unaufwendig wie machbar beherrschbar halten.

Siehe auch hier aus der Wirtschaft:

"Wer Komplexität beherrscht oder im Unternehmen reduzieren kann, ohne an Individualität und Flexibilität gegenüber Kunden zu verlieren, kann diese Stärke im Wettbewerb nutzen. Die Autoren zeigen, wie das funktionieren kann

Komplexität wird meist so beschrieben, als sei sie etwas Gefährliches, Schlechtes, nicht Beherrschbares – eine Folge von Fehlern oder Fehlentscheidungen oder von außen auf ein Unternehmen Einstürzendes. So überwiegen die negativen Einstellungen und Bewertungen gegenüber diesem Begriff. Doch er verliert seinen Schrecken, wenn man Methoden kennt, die helfen, mit Komplexität umzugehen. Die beiden Unternehmensberater Werner Bick und Susanne Drexl-Wittbecker stellen in diesem Buch solche Methoden vor und beschreiben ihren Einsatz..."
http://www.business-wissen.de/buch/komplexitaet-reduzieren/

usw.

Vermutlich werden Ingenieure und Logistiker Ähnliches sagen.

Schon die Alten wussten es, wie man hieraus ersehen kann:

– Solon von Athen:

„Μηδὲν ἄγαν.“

„Nichts zu sehr!“ bzw. „Nichts im Übermaß!“

– Kleobulos von Lindos:

„Μέτρον ἄριστον.“

„Maß ist das Beste.“

– Periander von Korinth:

„Μελέτη τὸ πᾶν“

„Habe das Ganze im Sinn.“

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gnome_(Dichtung)

Übersichtlichkeit und Beherrschbarkeit erhöhen die Chance Dinge bewusst einem gewünschten Ausgang zuzuführen zu können.

Aber auch das natürlich angemessen und in Maßen. Simplifizierung kann für sich auch in die Irre führen.

Viele freundliche Grüße

azur


PS: siehe auch: keep it simple

http://de.wikipedia.org/wiki/KISS-Prinzip

--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Die kleinstmögliche Komplexität ist O Kelvin, das humane Betriebssyst läuft mit 310 Kelvin, ab 315 Kelvin kollabiert es (oT)

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 28.03.2015, 10:25 vor 3942 Tagen @ Dragonfly 3022 Views

- kein Text -

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Antwort ohne Flieger

Hyperion @, Samstag, 28.03.2015, 11:04 vor 3942 Tagen @ Arvid 2872 Views

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?
2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?
3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?
4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Und nun zu euch:
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen nicht
mehr?
6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer Komplexität
zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?
7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?

Schönes Thema! Endlich mal wieder was relevantes nach all den Diskussionen um Non-events. Man kommt sich ja schon vor wie bei der "yellow press"...

Bin zwar in der aktuellen Forschung nicht drin, hab aber über die Zeit immer mal wieder populärwissenschaftliche Bücher gelesen:

Besonders relevant: "Flow" von Mihály Csíkszentmihályi - wahrscheinlich kennst Du es schon. http://de.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Cs%C3%ADkszentmih%C3%A1lyi
Als Ergänzung fand ich "The Power of Habit" von Charles Duhigg ganz interessant.
Für Organisationen mögen auch noch Erkenntnisse aus "Good to Great" von Jim Collins nutzbar sein.
Auch klasse: "The Paradox of Choice" von Barry Schwartz.
Und die Bücher von Dan Ariely, z.B. "The Upside of Irrationality".

Meine Meinung: letztendlich ist die Willenskraft und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen arg begrenzt, und sie lässt sich auch nur beschränkt Erweitern. Alles, was eine aktive Entscheidung verlangt ("Was mach ich als nächstes?", "Rechts oder links?", "Rot oder blau?") verbraucht Willenskraft und Konzentrationsfähigkeit. Tätigkeiten, die automatisch ablaufen können, weil sie bereits tief in unseren Gewohnheiten verankert sind, verbrauchen keine Energie und sind sogar angenehm und entspannend.

Zum Beispiel ist es stressig, wenn man zum ersten Mal einen Weg suchen muss. Wenn man den Weg jeden Tag zurücklegt, und ihn in- und auswendig kennt, dann merkt man gar nicht mehr, wie man ihn zurücklegt. Man kann sich unterwegs gedanklich "ausklinken" und irgendwann hat man das Ziel "von selbst" erreicht.

Auf der anderen Seite kann ein Fahrradkurier, der jeden Tag neue Adressen anfahren muss, sich den Prozess des "Wegfindens" angewöhnen. Er hat seine Hilfsmittel, schaut vorher die Route nach, lernt Karten zu lesen, weiß, worauf er unterwegs achten muss, entwickelt eine Intuition und sammelt Erfahrung. Wenn das "Wegfinden" zur Gewohnheit geworden ist, wird es ihn auch kaum mehr stressen.

In diesem Sinne kann man die Komplexität extrem erhöhen. Zum Beispiel wird ein professioneller Klavierspieler das Klavierspielen als entspannend empfinden, solange er nicht (gemessen an seinen Fähigkeiten) Neuland betritt. Für untrainierte ist es dagegen völlig unmöglich, auch nur das einfachste Stück stressfrei zu spielen.

Und so sehe ich es auch für Organisationen: Abläufe, die sich wiederholen, müssen als Prozess implementiert werden, die ohne große Reibung ablaufen können.

Die Komplexität der Prozesse kann und sollte sich erhöhen, aber nur in dem Maße, wie die Organisation sie "spielend" beherrscht. Ist ein Prozess eingespielt und erlernt, kann die nächste Komplexitätsstufe draufgesattelt werden.

Aber alles, was echte Entscheidungen erfordert (insbesondere unter Unsicherheit), alles was Willenskraft und Konzentrationsfähigkeit benötigt, sollte soweit wie möglich reduziert werden. Diese sehr begrenzten Ressourcen sollten verwendet werden für die Situationen, in denen sie tatsächlich benötigt werden, z.B. strategische Entscheidungen des Managements.

Hyperion

Komplexität -> Just do it

bulla @, Samstag, 28.03.2015, 13:44 vor 3942 Tagen @ Arvid 2620 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 28.03.2015, 15:22

Aus IT-Sicht:

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?

Keiner. Komplexität bedeutet, wie in der Parallel-Antwort von Hyperion schon erwähnt, keinen Algorithmus zu haben, der ein Problem in einer bestimmten Zeit und unter bestimmtem Ressourcenaufwand lösen kann. Leider hört Hyperion genau an der Stelle auf, wo Komplexität überhaupt erst anfängt, nämlich bei den Entscheidern, welche es sind, die sich einem Problem stellen sollten -- und es leidlich tun, da hierbei dann entweder
a) auf Erfahrungen zurückgegriffen wird: dies kann sowohl gut als auch schlecht sein
b) nach Bauchgefühl entschieden wird: Topmanager haben manchmal auch einfach nur Glück, wenn sie eine Entscheidung hinsichtlich eines diskreten Problems treffen müssen.
Daher entstehen auch soviele Kompromisslösungen, so dass keiner glücklich, aber auch keiner sauer wird; siehe Glockenkurve.

2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?

Wie gesagt, Komplexität bedeutet ja bereits, dass man es nicht ohne weiteres mit einfachen Mitteln optimal lösen kann. Den Sinn, Komplexität artifiziell zu erhöhen, erschliesst sich mir in dem Sinne nicht. Das ist, als würde man versuchen, Alpha Centauri zu besiedeln, bevor man den Mars angegangen hat. Komplexität sollte daher immer iterativ angegangen werden -> Bisschen hie, bisschen da machen, bevor man genug Logik angesammelt hat, um die nächste Stufe, anzugehen.
Bsp.
1+1 = 2 > Komplexitätsgrad 1
2+2 = 4 > Komplexitätsgrad 2
Wenn man 1+1 zuerst löst, ist es nicht mehr komplex. 2+2 entspricht daher dann lediglich einem +1 gegenüber dem aktuellen Wissensstand. Eine indirekte Komplexität besteht nur noch, wenn man z.B. n mal 1+1 lösen/rechnen muss, da irgendwann Speicher, Konzentration, Zeit, Energie ausgehen. Hier greifen dann z.B. Heuristiken, die u.a. statistische Techniken einbinden. Gelöst ist das Problem dann aber nicht unbedingt optimal..

Die Objektorientierte Programmierung, in der jedes Problem mehr oder weniger streng gekapselt untersucht und implementiert wird, resultierte aus irgendwann nicht mehr handhabbaren Walls of Code, in der alles in eine einzelne Datei geschrieben wurde, z.B. Basic.

Bisserl Pseudocode zu OOP:
Haus x; Strasse y;
Solange (y.zugebaut nicht true) {
-> erstelleEntlangStrasse(x,y);
-> y.freieGrundstuecke-1;
-> Wenn (y.freieGrundstuecke = 0 ) -> y.zugebaut = true)
}
fügeStrasseStadthinzu(y);
usw.

In der IT sind verstärkt modernere Arbeitstechniken wie Scrum im Einsatz, in dem es darum geht, in kleinen Teams kurze Sprints an Implementierungsarbeit einzulegen (z.B. Dauer eine Woche) und am Ende schauen, wo es hakt, wenn die einzelnen Ergebnisse zusammengefügt werden.
Weitere Techniken sind z.B. das Rapid Prototyping, was man derzeit in der Spielebranche gehäuft bei Indie-Entwicklern vorfindet, die z.B. jede Woche den aktuellen Stand als "Early-Access" anbieten/verkaufen.
Komplexität wird also häufig mit Iteration begegnet.

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?

In der Politik Antagonisten, in der richtigen Welt komplementär. Ohne 1+1 kein 2+2, und das muss bekannt und einsehbar sein. Stichwort, auch in der VWL beliebt: "Vollständige Information"

4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Da kann ich leider nichts zu sagen, habe mich damit nicht direkt beschäftigt.

Und nun zu euch:
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen nicht
mehr?

Ich denke mal, jeder würde gerne die Weltformel entwickeln, was aber wohl ne Spur zu groß sein dürfte. Ergo: Ein Problem sollte handhabbar sein; ungefähr wissen, was man mit vorhandenen Mitteln und Wissen lösen kann, und dies auch so kommunizieren. Just do it :)

6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer Komplexität
zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?

Lügen, Korruption und Desinformation machen einen kaputt, nicht die Komplexität.

7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?

Zeit nehmen und sich in ein Thema einarbeiten, soweit möglich. Wenn es zu schwer wird, liegen lassen oder eine Lösung nehmen, die vielleicht 80-90% erfüllt, je nachdem.

Antwort

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 13:59 vor 3942 Tagen @ Dragonfly 2520 Views

Hallo Dragonfly,

danke für die Antwort.

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?

Der minimalst moegliche umd das Problem zu loesen.

Dann stellt sich natürlich sofort die Frage, wie man diesen bestimmt und wie viel Aufwand diese Bestimmung kosten darf.

2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen?

Nein!

Ich denke doch, denn wir leben in einer Welt mit immer mehr Menschen und zunehmend begrenzten Ressourcen, deswegen gilt interdependete Systeme auch als solche zu verstehen und zu nutzen. Ein Beispiel dazu:

Hochwasser -> Eindeichung der Flüsse -> Wasser fließt schneller-> Hochwasserscheitel dadurch erhöht -> Aufwand Erhaltung der Deiche zunehmend


Alternative:
Geoinformationssystem (Satellitenaufnahmen -> Karten- und Modellerstellung -> Einrichtung der sinnvollsten (ökologisch und ökonomisch) Retentionsflächen -> Koordination des Hochwassermanagements über alle Anlieger -> Schadens- und Kostenminimierung - aber Aufwandserhöhung

Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?

Ja!

Dann wäre ein Großteil der kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen nicht mehr erbringbar. Weltbevölkerung müsste drastisch reduziert werden, allg. Lebenserwartung würde sinken. Kaum oder nicht friedlich zu erreichen.

Tendenziell gebe ich Dir jedoch Recht. Wir haben uns ein überkomplexes System geschaffen und leiden nicht nur darunter, sondern werden daran eingehen.

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?

Antagonisten.

OK, sehe ich auch so

4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Weiss ich nicht. Hoert sich aber nach Hype an.

5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen

nicht

mehr?


Das ist eigentlich eine schwierige Frage. Eigentlich den minimalst
Moeglichen. Einserseits will ich ein Tuerschloss mit Schluessel und keine
Tuer, die ich nur mit meinem Handy oeffnen kann.

Ich möchte ein Leben ganz ohne Schlüssel wenn ich es mir wünschen darf, und natürlich nicht als Insasse einer Einrichtung.

Du verstehst wahrscheinlich, was ich meine. Das Konzept der Eigentums zieht etliche »Komplexitätskontrukte« nach sich, auch Türschlösser und Schlüssel.

Wo ist der Optimalpunkt? Derjenige, der für die Mehrheit der Gesellschaft wirkt.

Andererseits hasse ich
Kontrolle auf meinem Computer und Handy. Also Linux und Android (Cyanogen)
statt iOS und Windows. Hier waehle ich das komplexere System. Man koennte
aber fragen, ob meine IT "Probleme" uerberhaupt mit Windows sinnvoll zu
loesen sind.

6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer

Komplexität

zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?


Jeder Gesellschaft geht an Komplexitaet zu Grunde.
http://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Tainter

Wieder Frage nach dem Optimum ...

7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?

Gute Frage. Muss ich darueber nachdenken.

Auf die Antwort bin ich gespannt ...

Ich schliesse mit Leibnitz:

"A complex equation describing complex data isn't a law since it does not
possess simplicity"


Danke

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Leibni(t)z auf englisch zu zitieren ist ein Sakrileg ;) (oT)

Griba @, Dunkeldeutschland, Samstag, 28.03.2015, 15:20 vor 3942 Tagen @ Dragonfly 2328 Views

- kein Text -

--
Beste Grüße

GRIBA

Warum?

Dragonfly @, Samstag, 28.03.2015, 15:26 vor 3942 Tagen @ Griba 2445 Views

Wenn Du das Zitat im Original (Latein) parat hast, kannst Du es ja gerne hier noch mal zitieren. Mein Latein ist leider nicht mehr so auf der Hoehe. [[zwinker]]

Nee, habe ich auf die Schnelle jetzt auch nicht parat. ;)

Griba @, Dunkeldeutschland, Samstag, 28.03.2015, 15:32 vor 3942 Tagen @ Dragonfly 2738 Views

Wenn Du das Zitat im Original (Latein) parat hast, kannst Du es ja gerne
hier noch mal zitieren. Mein Latein ist leider nicht mehr so auf der Hoehe.
[[zwinker]]

Aber die kontinentale Mathematik war mit der englischen über Jahrzehnte schwer im
Prioritätsstreit

Der englische Naturwissenschaftler Sir Isaac Newton hatte die Grundzüge der Infinitesimalrechnung bereits 1666 entwickelt. Jedoch veröffentlichte er seine Ergebnisse erst 1687. Daraus entstand Jahrzehnte später der vielleicht berühmteste Prioritätsstreit der Wissenschaftsgeschichte. Die ersten Pamphlete, in denen Leibniz beziehungsweise Newton beschuldigt wurden, den jeweils anderen plagiiert zu haben, erschienen 1699 und 1704. Im Jahr 1711 brach der Streit in voller Schärfe aus. Die Royal Society verabschiedete 1712 einen Untersuchungsbericht, der von Newton selbst fabriziert worden war; Johann Bernoulli antwortete 1713 mit einem persönlichen Angriff auf Newton. Der Streit wurde über Leibniz' Tod hinaus fortgeführt und vergiftete die Beziehungen zwischen englischen und kontinentalen Mathematikern über mehrere Generationen hinweg. Schaden nahm vor allem die Entwicklung der Mathematik in England, die lange an den technisch unterlegenen Newtonschen Notationen festhielt. Heute ist sich die Forschung einig, dass Leibniz und Newton ihre Kalküle unabhängig voneinander entwickelt haben.

Quelle: Wikipedia

Nichts für ungut.

--
Beste Grüße

GRIBA

Komplexität und Kultur

LLF @, Samstag, 28.03.2015, 18:39 vor 3942 Tagen @ Arvid 2360 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 28.03.2015, 18:44

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen nicht
mehr?

Jeder Mensch hat seine persönlichen Präferenzen: Intelligente Menschen lieben komplexe Systeme (man denke nur an künstlich komplexe Simulationsspiele), weniger intelligente Menschen lieben einfache Systeme.

Beispielsweise haben wir (Europäer) ein komplexes Justizsystem mit mehreren Berufungs- und Revisionsinstanzen, wo (tendenziell!!!) die intelligentesten Menschen in den höchsten Gerichten sitzen. In anderen, weniger entwickelten Kulturen setzt man auf Blutrache oder Lynchjustiz als einfaches Justizsystem.

2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?
6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer Komplexität
zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?

Grundsätzlich neigt jede hochentwickelte Gesellschaft zu steigender Komplexität. Ständig werden neue Regeln entworfen - entweder als bindende Vorschrift ("muss") oder als Empfehlung ("soll").

Gelegentlich kommt es im Zuge einer Revolution zu einer radikalen Vereinfachung:
vorher gab es Adel und Privilegien -> hinterher sind alle Menschen gleich -> dann wird eine neue informelle Hierarchie aufgebaut

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?

Zugang zu (Geheim-)Wissen kann als Belohnung in einem komplexen System eingesetzt werden. Transparente Systeme sind jedoch leichter handhabbar. Beispielsweise sind Gerichtsurteile öffentlich zugänglich, manche Gerichtsakten jedoch nur für Rechtsanwälte.

4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Dient wohl zum Geld sparen?

Selbst der einfache Döner ist eine komplexe Zusammenstellung verschiedener Zutaten (mit / ohne diese und jene Soße) und dem deutschen Erbseneintopf der 1940er Jahre an Komplexität weit überlegen.
McDonalds ist ein Beispiel für radikale Vereinfachung im Sinne des Komplexitätsmanagements.

Hallo Azur, ich komme leider erst jetzt dazu zu antworten, weil

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 19:22 vor 3942 Tagen @ azur 2501 Views

ich mich an Coverversionen von mir lieben Musikstücken »festgehört« habe (und noch ein paar kleinere Dinge erledigen musste.

nicht nur in der Psychotherapeutik wird immer geraten Komplexität
grundsätzlich zu reduzieren, zumindest aber Übersichtlichkeit, welche
auch ein Ressourcen beansprucht, erhalten und verbessern. Es auf jeden Fall
so unaufwendig wie machbar beherrschbar halten.

Mir geht es im Speziellen um den Zusammenhang zwischen Transparenz und Komplexität. Dazu werde ich weiter unten (Thema »Komplexität in der IT«
noch ausführlich Stellung nehmen.


Siehe auch hier aus der Wirtschaft:

"Wer Komplexität beherrscht oder im Unternehmen reduzieren kann, ohne an
Individualität und Flexibilität gegenüber Kunden zu verlieren, kann
diese Stärke im Wettbewerb nutzen. Die Autoren zeigen, wie das
funktionieren kann

Komplexität wird meist so beschrieben, als sei sie etwas Gefährliches,
Schlechtes, nicht Beherrschbares – eine Folge von Fehlern oder
Fehlentscheidungen oder von außen auf ein Unternehmen Einstürzendes. So
überwiegen die negativen Einstellungen und Bewertungen gegenüber diesem
Begriff. Doch er verliert seinen Schrecken, wenn man Methoden kennt, die
helfen, mit Komplexität umzugehen. Die beiden Unternehmensberater Werner
Bick und Susanne Drexl-Wittbecker stellen in diesem Buch solche Methoden
vor und beschreiben ihren Einsatz..."
http://www.business-wissen.de/buch/komplexitaet-reduzieren/

usw.

Mir geht es Momentan um zwei Domänen der Komplexität, Politik und Wirtschaft.
Als erfahrener Projektmanager habe ich alle Arten von Intransparenz in sehr komplexen Vorhaben kennen und fürchten gelernt.

Insbesondere in den Projekten, in denen sehr viel unausgesprochene Politik hineinspielt ist der Komplexitätsgrad sehr hoch und das Scheitern in gewisser Weise vorprogrammiert.

Dazu ein Beispiel:
Ein Kernbanksystem soll von einer veralteten Plattform auf eine neue Plattform umgesetzt werden. Im gleichen Zuge soll die Funktionalität optimiert werden.
Dokumentation des alten Systems ist unvollständig oder nicht aktuell. Es gibt genau drei Gurus dies das alte Systems zu jeweils ca. 70-80 Prozent kennen (unterschiedliche Teilbereiche).

Heute wüsste ich, dass die drei Spezialwissenden niemals freiwillig alle ihre Kenntnisse des Systems (mit-) dokumentieren werden. Du musst (als Projektleiter / -manager) Dir selbst einen Weg durch den Dschungel der Komplexität schlagen und dabei kannst Du nicht sicher sein, alle
relevanten Spezialfälle abzudecken.

Die ersten Tests laufen schief, es kommt zu Auseinandersetzungen mit den Spezialisten, die sich auf den Standpunkt stellen, nicht alles wissen zu können und vor allem nicht zu wissen, was sie nicht wissen.

Das Ende vom Lied: Das neue Verfahren wird nicht die Funktionen des alten nachbilden, sondern ganz neu ansetzen und in einem Kraftakt (72-Stunden-Schicht über Ostern) werden die Daten migriert. Einen beträchtlichen Verlust von Funktionalität hat man bewusst in Kauf genommen, um die Komplexität der Aufgabe zu reduzieren.

Man hat auch in Kauf genommen, das der Vertrieb der Bank volle 14 Wochen nicht mehr auf aktuelle Konditionsdaten zurückgreifen konnte, sondern diese tagesaktuell und ohne Kalkulationshilfen per Fax aus der Zentrale erhalten hat.

So geschehen bei der damals viertgrößten Bank in DE.

Vermutlich werden Ingenieure und Logistiker Ähnliches sagen.

Schon die Alten wussten es, wie man hieraus ersehen kann:

– Solon von Athen:

„Μηδὲν ἄγαν.“

„Nichts zu sehr!“ bzw.
„Nichts
im Übermaß!“

– Kleobulos von Lindos:

„Μέτρον ἄριστον.“

„Maß ist das Beste.“

– Periander von Korinth:

„Μελέτη τὸ πᾶν“

„Habe das Ganze im Sinn.“

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Gnome_(Dichtung)

Übersichtlichkeit und Beherrschbarkeit erhöhen die Chance Dinge bewusst
einem gewünschten Ausgang zuzuführen zu können.

Aber auch das natürlich angemessen und in Maßen.
Simplifizierung
kann für sich auch in die Irre führen.

Genau diese Abgrenzung ist interessant. Wie und wann und wodurch lege ich fest, wann ein System sich außerhalb des gewünschten / vertretbaren Komplexitätsrahmens bewegt? Wann ist ein System zu simpel?

Denn der Mensch an sich ist als Kriterium nur sehr bedingt tauglich: Es wird immer Menschen geben, die sich innerhalb eines System bestimmter Komplexität wohl und orientiert fühlen und solche, die damit gar nicht zurecht kommen.


PS: siehe auch: keep it simple

http://de.wikipedia.org/wiki/KISS-Prinzip

Neudeutsch formuliert, bin ich da bei Dir. Aber was bedeutet es konkret? Nehmen wir ein Automobil.

In welcher Phase seiner Entwicklung fing ein Automobil an, zu komplex zu werden? Davon ausgehend natürlich, dass ein Auto an sich nicht schon zu komplex ist.

War das Model T zu komplex, der Käfer, fing es mit ABS und den Airbags an?

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Hallo Hyperion,

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 20:00 vor 3942 Tagen @ Hyperion 2292 Views

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?
2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?
3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?
4. Ist der aktuell in der Organisationstheorie gehypte Ansatz des
»Komplexitätsmanagenents« grundsätzlich nützlich oder falsch?

Und nun zu euch:
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen

nicht

mehr?
6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer

Komplexität

zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?
7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?


Schönes Thema! Endlich mal wieder was relevantes nach all den
Diskussionen um Non-events. Man kommt sich ja schon vor wie bei der
"yellow press"...

Schöne Worte, vielen Dank dafür. Yellow Press trifft zuweilen zu.


Bin zwar in der aktuellen Forschung nicht drin, hab aber über die Zeit
immer mal wieder populärwissenschaftliche Bücher gelesen:

Besonders relevant: "Flow" von Mihály Csíkszentmihályi - wahrscheinlich
kennst Du es schon.

Nein, kannte ich noch nicht, vielen Dank. »Kreativität« von Csíkszentmihályi (schrecklicher Name, jedenfalls die Schreibweise) aus 2010 kannte ich, aber mir sind seine früheren Werke gar nicht bewusst geworden.

Ich habe ihn im Zusammenhang mit der Erstellung einer Arbeit über institutionalisiert organisierte Kreativität kennengelernt. Übrigens klappt dies im Kontext eines forschenden Unternehmens tatsächlich einigermaßen gut.

http://de.wikipedia.org/wiki/Mih%C3%A1ly_Cs%C3%ADkszentmih%C3%A1lyi
Als Ergänzung fand ich "The Power of Habit" von Charles Duhigg ganz
interessant.

Für Organisationen mögen auch noch Erkenntnisse aus "Good to Great" von
Jim Collins nutzbar sein.
Auch klasse: "The Paradox of Choice" von Barry Schwartz.

Kenne ich tatsächlich.

Und die Bücher von Dan Ariely, z.B. "The Upside of Irrationality".

Die anderen Lektürehinweise werde ich mir noch anscheun müssen.

Meine Meinung: letztendlich ist die Willenskraft und die
Konzentrationsfähigkeit des Menschen arg begrenzt, und sie lässt sich
auch nur beschränkt Erweitern. Alles, was eine aktive Entscheidung
verlangt ("Was mach ich als nächstes?", "Rechts oder links?", "Rot oder
blau?") verbraucht Willenskraft und Konzentrationsfähigkeit. Tätigkeiten,
die automatisch ablaufen können, weil sie bereits tief in unseren
Gewohnheiten verankert sind, verbrauchen keine Energie und sind sogar
angenehm und entspannend.

»keine Energie« == sie steigern den Grundumsatz nicht wesentlich? Dann stimme ich Dir zu.

Zum Beispiel ist es stressig, wenn man zum ersten Mal einen Weg suchen
muss. Wenn man den Weg jeden Tag zurücklegt, und ihn in- und auswendig
kennt, dann merkt man gar nicht mehr, wie man ihn zurücklegt. Man kann
sich unterwegs gedanklich "ausklinken" und irgendwann hat man das Ziel "von
selbst" erreicht.

Auf der anderen Seite kann ein Fahrradkurier, der jeden Tag neue Adressen
anfahren muss, sich den Prozess des "Wegfindens" angewöhnen. Er hat seine
Hilfsmittel, schaut vorher die Route nach, lernt Karten zu lesen, weiß,
worauf er unterwegs achten muss, entwickelt eine Intuition und sammelt
Erfahrung. Wenn das "Wegfinden" zur Gewohnheit geworden ist, wird es ihn
auch kaum mehr stressen.

Zustimmung.

In diesem Sinne kann man die Komplexität extrem erhöhen. Zum Beispiel
wird ein professioneller Klavierspieler das Klavierspielen als entspannend
empfinden, solange er nicht (gemessen an seinen Fähigkeiten) Neuland
betritt. Für Untrainierte ist es dagegen völlig unmöglich, auch nur das
einfachste Stück stressfrei zu spielen.

Und so sehe ich es auch für Organisationen: Abläufe, die sich
wiederholen, müssen als Prozesse implementiert werden, die ohne große
Reibung ablaufen können.

Da bin ich nicht sicher. Zwar habe ich lange Jahre als Effizienzfaschist Geld verdient, aber inzwischen bin ich eines (wesentlich) Besseren belehrt (worden).

Wenn man Menschen zu sehr in Prozesse einbindet, die wenig Spielraum lassen, dann verkümmert deren Fähigkeit zur Anpassung, die Aufmerksamkeit nimmt ab und die Gesamtleistung sinkt. Meiner Meinung nach sollte die Komplexität so hoch sein, dass bei Entscheidungen eine Entscheidungsfreiheit herrscht; im Sinne eines Spielraums der auch und gelegentlich zu (systematisch korrigierbaren) Fehlern führen kann. So viel Freiheit braucht der Mensch.

Die Komplexität der Prozesse kann und sollte sich erhöhen, aber nur in
dem Maße, wie die Organisation sie "spielend" beherrscht. Ist ein Prozess
eingespielt und erlernt, kann die nächste Komplexitätsstufe
draufgesattelt werden.

Keine Organisation ist im Eigentlichen ein statisches Gebilde, das einen erreichten automatisch Zustand beibehalten kann. Dazu bedarf es einer Kultur der Organisation, die bereits Erlerntes immer wieder lehrt und einübt. Von daher und wegen der Fluktuation innerhalb der Organisation, folgt der Zustand einer Organisation einer Wellenbewegung, deren Grundtendenz wünschenwerterweise nach »oben« gerichtet ist, zu den gewünschten Zielen.

Moderne Unternehmungen arbeiten mit Kernbelegschaften, die die Kultur der Organisation prägen, aufrecht erhalten und an die austauschbaren, befristet eingesetzten Spezialisten und außerhalb der eigentlichen Organisation eingesetzten »Arbeitsdrohnen«.

Das reduiert den Aufwand für die Etablierung und Erhaltung der Kultur und damit die Kosten. Aber es leidet alles darunter, was mit dem Erledigen komplexerer Aufgaben verbunden ist. Diese werden dann ganz ausgelagert. Die Organisation gibt dann nur noch die zu erreichenden Ziele vor und stellt die materiellen Ressourcen bereit. Und genau dieser Ansatz scheitert sehr oft. So jedenfalls meine Erfahrung.

Aber alles, was echte Entscheidungen erfordert (insbesondere unter
Unsicherheit), alles was Willenskraft und Konzentrationsfähigkeit
benötigt, sollte soweit wie möglich reduziert werden. Diese sehr
begrenzten Ressourcen sollten verwendet werden für die Situationen, in
denen sie tatsächlich benötigt werden, z.B. strategische Entscheidungen
des Managements.

Welche Form von Geschäftstätigkeit darf man von dieser Organisation erwarten. Hast Du dafür einige Beispiele. Ich kann mir so rein gar nichts darunter vorstellen.

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Daran kann man sehen,

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 20:02 vor 3942 Tagen @ Mephistopheles 2336 Views

wie viel man mit nur 5 Kelvin Differenz erzeugen und gestalten kann.

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Dokumentation als Qualitätsmerkmal

LLF @, Samstag, 28.03.2015, 20:18 vor 3942 Tagen @ Arvid 2193 Views

Dokumentation des alten Systems ist unvollständig oder nicht aktuell.

In Zukunft sollte der Ruf eines Programmierers wohl an die Qualität der Dokumentation gekoppelt werden.

Heute wüsste ich, dass die drei Spezialwissenden niemals freiwillig alle
ihre Kenntnisse des Systems (mit-) dokumentieren werden.

Klasse, um die IT-Sicht geht es mir in diesem Thread auch ...

Arvid @, Samstag, 28.03.2015, 20:22 vor 3942 Tagen @ bulla 2347 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 28.03.2015, 21:04

Hallo Bulla,

Aus IT-Sicht:

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?


Keiner. Komplexität bedeutet, wie in der Parallel-Antwort von Hyperion
schon erwähnt, keinen Algorithmus zu haben, der ein Problem in einer
bestimmten Zeit und unter bestimmtem Ressourcenaufwand lösen kann.

Dem kann ich nicht beipflichten. Wie Du weiter unten ausführst, gibt es unterschiedliche Komplexitätsgrade. Unterhalb eines bestimmten Grades sollten die Aufgaben unter definierten Bedingungen notwendigerweise zu lösen sein. Sonst würde Dein Beispiel nicht funktionieren.

Wir alle hantieren täglich unterschiedliche komplexe Situationen und sind oft erfolgreich. Wobei der Erfolg, wie auch das Scheitern sehr oft (meistens) relativ ist. Totales Scheitern ist ebenso selten wie totaler Erfolg.

Deswegen sind solche Ereignisse wie der absichtlich herbeigeführte Absturz ebenso exzeptionell, wie das Erringen einer Fußballweltmeisterschaft.

Mist, jetzt war ich doch bei dem Flieger.

Leider
hört Hyperion genau an der Stelle auf, wo Komplexität überhaupt erst
anfängt, nämlich bei den Entscheidern, welche es sind, die sich einem
Problem stellen sollten -- und es leidlich tun, da hierbei dann entweder
a) auf Erfahrungen zurückgegriffen wird: dies kann sowohl gut als auch
schlecht sein
b) nach Bauchgefühl entschieden wird: Topmanager haben manchmal auch
einfach nur Glück, wenn sie eine Entscheidung hinsichtlich eines diskreten
Problems treffen müssen.

Nein, Komplexität fängt viel früher an: Esse ich zum Frühstück ein Müsli oder doch ein Croissant mit Butter und Honig? Eingedenk des individuellen Gesundheitszustandes, der momentanen Verfassung, der Zeit die ich noch habe bevor ich los muss, etc. pp.

DAS sind auch schon komplexe Situationen, die wir in aller Regel durch Gewöhnung bewältigen, nicht immer in sinnvoller Weise, sondern so, dass es eben geht (im Sinne von funktioniert).

Daher entstehen auch soviele Kompromisslösungen, so dass keiner
glücklich, aber auch keiner sauer wird; siehe Glockenkurve.

Da kann ich zustimmen. Eine Organisation ist fast immer eine Kompromissmaschine. Kompromisslose Organisationen ([link=totale Institutionen, nach Goffman]totale Institutionen, nach Goffman[/link] [Wikipedia]) neigen dazu totalitär zu sein oder zu werden. Das ist für etliche attraktiv, wegen der Möglichkeit, darin aufzugehen, auch eine Art von »Flow«, der sich so erreichen lässt. Deswegen ist der Kompromiss notwendig Bestandteil der Lösung komplexer Aufgabenstellungen.

2. Ist es sinnvoll, den handhabbaren Komplexitätsgrad tendenziellen zu
erhöhen? Oder sollte man Komplexität grundsätzlich minimal halten?


Wie gesagt, Komplexität bedeutet ja bereits, dass man es nicht ohne
weiteres mit einfachen Mitteln optimal lösen kann. Den Sinn, Komplexität
artifiziell zu erhöhen, erschliesst sich mir in dem Sinne nicht. Das ist,
als würde man versuchen, Alpha Centauri zu besiedeln, bevor man den Mars
angegangen hat. Komplexität sollte daher immer iterativ angegangen werden
-> Bisschen hie, bisschen da machen, bevor man genug Logik angesammelt hat,
um die nächste Stufe, anzugehen.
Bsp.

Zu dem Sinn der Komplexitätserhöhung:
In aller Regel resultiert die Erhöhung der Komplexität aus unterschiedlichen, aber immer gleichen Quellen:

1. Änderung des Raumes (ein Imperium dehnt sich aus)
2. Änderung der Organistionsangehörigen,in der Regel Zuwachs, kann aber auch durch eine drastische Reduktion passieren (weitere Kulturen werden in das Imperium integriert, Folgen der Pest oder des Dreißigjährigen Krieges)
3. Die Ressourcenlage verändert sich (Holz wurde im Imperium knapp, Beton aus Baustoff hinzugewonnen)
4. Grundsätzliche Änderung der Kultur der Organisation (Wechsel von einer polytheistischen zu einer monotheistischen Religion)
und so weiter. Anpassung und auch Entwicklung bedeutet fast immer sich einer wachsenden Komplexität zu stellen. Erhöhung eines beliebigen Outputs immer. Wegfall von Ressourcen auch immer.

1+1 = 2 > Komplexitätsgrad 1
2+2 = 4 > Komplexitätsgrad 2
Wenn man 1+1 zuerst löst, ist es nicht mehr komplex. 2+2 entspricht daher
dann lediglich einem +1 gegenüber dem aktuellen Wissensstand.


Das verstehe ich leider nicht. 1+1 ist nicht komplexer als 1392847 + 1 oder 9083475 + 293854, denn es liegt eine feste, allgemein gültige und akzeptiere Regel für die Bearbeitung des Problems vor.

Eine Grenze liegt in der Wahrnehmungsfähigkeit der Summanden durch den Bearbeiter, deswegen in solchen Fällen auch die Exponentialschreibweise.

Hmm, was habe ich vielleicht übersehen, dass ich es nicht verstanden habe?

Eine
indirekte Komplexität besteht nur noch, wenn man z.B. n mal 1+1
lösen/rechnen muss, da irgendwann Speicher, Konzentration, Zeit, Energie
ausgehen. Hier greifen dann z.B. Heuristiken, die u.a. statistische
Techniken einbinden. Gelöst ist das Problem dann aber nicht unbedingt
optimal..

Die Objektorientierte Programmierung, in der jedes Problem mehr oder
weniger streng gekapselt untersucht und implementiert wird, resultierte aus
irgendwann nicht mehr handhabbaren Walls of Code, in der alles in eine
einzelne Datei geschrieben wurde, z.B. Basic.

Sie war der Versuch, einerseits handbare Codefragmente zu erzeugen, aber diente auch dazu, die von uns wahrgenommene Welt (respektive Lösungen für Probleme) weniger abstrakt abzubilden.


In der IT sind verstärkt modernere Arbeitstechniken wie Scrum im Einsatz,
in dem es darum geht, in kleinen Teams kurze Sprints an
Implementierungsarbeit einzulegen (z.B. Dauer eine Woche) und am Ende
schauen, wo es hakt, wenn die einzelnen Ergebnisse zusammengefügt werden.

Dient ebnfalls der Reduktion von Komplexität. In diesem Falle auch durch Transparenz, wenn man so will: Durch frühzeiges Erkennen von publizieren von Fehlern kann ein größerer Schaden erst gegen Ende der Aufgabenbearbeitung vermieden werden (so hofft man jedenfalls).

Weitere Techniken sind z.B. das Rapid Prototyping, was man derzeit in der
Spielebranche gehäuft bei Indie-Entwicklern vorfindet, die z.B. jede Woche
den aktuellen Stand als "Early-Access" anbieten/verkaufen.
Komplexität wird also häufig mit Iteration begegnet.

Aber mit dieser Vorgehensweise ist der grundsätzliche Komplexitätsgrad den diese Organisation bewältigen kann ebenso begrenzt, nur an anderer Stelle.

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?


In der Politik Antagonisten, in der richtigen Welt komplementär.

Interessant. Ich denke, in der wirklichen Welt sind sie wirklich komplementär und in einer richtigen Welt, wäre das für den Zusammenhang zur Politik ebenso. Wir haben einfach die falsche Politik , gemacht von den falschen Menschen, da innerhalb eines falschen Systems.

Ohne 1+1
kein 2+2, und das muss bekannt und einsehbar sein. Stichwort, auch in der
VWL beliebt: "Vollständige Information"


Ja! Aber in der Politik ist 2+2 häufig -1 oder 5, jedenfalls nicht 4.

Und nun zu euch:
5. Welchen Grad an Komplexität empfindet ihr als angenehm, welchen

nicht

mehr?


Ich denke mal, jeder würde gerne die Weltformel entwickeln, was aber wohl
ne Spur zu groß sein dürfte. Ergo: Ein Problem sollte handhabbar sein;
ungefähr wissen, was man mit vorhandenen Mitteln und Wissen lösen kann,
und dies auch so kommunizieren. Just do it :)

Ich empfinde Probleme die sich durch mich und mit durch mich vertretbarem Aufwand lösen lassen als angenehm. Das sind echte Herausforderungen, die im Zweifel unterschiedliche optimale oder eben suboptimale Lösungen haben oder auch die Erkenntnis keiner sinnvollen Lösung innerhalb eines gegeben Kontextes.

6. Geht unsere Gesellschaft (ihre Mitglieder) an zu großer

Komplexität

zu Grunde, führt diese prinzipiell zu Entfremdung? Mit anderen Worten:
Macht euch Komplexität haltlos, heimatlos in der Gesellschaft?


Lügen, Korruption und Desinformation machen einen kaputt, nicht die
Komplexität.

7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?


Zeit nehmen und sich in ein Thema einarbeiten, soweit möglich. Wenn es zu
schwer wird, liegen lassen oder eine Lösung nehmen, die vielleicht 80-90%
erfüllt, je nachdem.


Interessant finde ich die Beobachtung, dass sich viele Probleme durch liegen lassen (reifen?) verringern. Natürlich nicht jedes, aber etliche.

Und, natürlich, je mehr Zeit ich einer Lösung widme, um so erfolgreicher werde ich in der Regel sein, weil ich mehr Information über und zum Umgang mit dem Problem gewinne. Deswegen halte ich Transparenz für so hilfreich bei der Reduktion von Komplexität.

--
"Journalism is printing what someone else does not want printed. Everything else is public relations." - George Orwell

Arvid

Transparenz und Komplexität

Rybezahl, Samstag, 28.03.2015, 20:54 vor 3942 Tagen @ Dragonfly 2224 Views

bearbeitet von unbekannt, Samstag, 28.03.2015, 20:58

3. Sind Transparenz und Komplexität Antagonisten oder notwendigerweise
komplementär?

Antagonisten.

Warum?

Ich würde sagen, Transparenz und Komlpexität sind weder Antagonisten, noch notwendig komplementär.

Transparenz und Komlpexität sind nicht Antagonisten, weil komplexe Systeme analysiert, erforscht und erkannt werden können - damit werden sie transparent.

Sie sind nicht notwendig komplementär, wenn man sie absichtlich so konstruiert. Hier stellt sich die Frage, ob diese so konstruierten Systeme mit ausreichend Forscherdrang nicht doch transparent gemacht werden können.

Die Aussage lautet: Jedes System strebt einem Grad an Komplexität zu, an dem es gerade noch seine Stabilität erhalten kann

Mephistopheles @, Datschiburg, Samstag, 28.03.2015, 21:07 vor 3942 Tagen @ Arvid 2362 Views

wie viel man mit nur 5 Kelvin Differenz erzeugen und gestalten kann.

Grund: Die mit zunehmender Komplexität geometrisch steigende Effektivität.

Ein Computer ist um eineiges komplexer als eine Rechentafel, eine Panzerkanone umeiniges kompexer als eine steinzeitliche Steinschleuder, über die Effektivität brauchen wir,glaube ich,nicht zu reden.
Natürlich haben komplexe Systemedie Tendenz, sich selbst und ihre Erbauer mit zu zerstören,die effektivitätsvorteile sind jedoch so schlagend,dass die Menschen immer die komplexesten Systemewählen, die sie gerade noch handhaben können.
Die Natur auch.Das besagt der Vergleich der Betriebstemperatur des Menschen. Die Komplexität ist so hoch, wie das SystemMensch gerade noch aushält.
Sicher wäre eine Lebensdauer von 1.000 oder mehr Jahren für Menschen denkbar mit einer Betriebstemperatur (Komplexität) von 250 Grad Kelvin; die Effektivität lässt aber doch schwer zu wünschen übrig.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc

Komplexität -> Just do it again :)

bulla @, Sonntag, 29.03.2015, 01:44 vor 3942 Tagen @ Arvid 2262 Views

1. Welcher Komplexitätsgrad ist optimal?


Keiner. Komplexität bedeutet, wie in der Parallel-Antwort von Hyperion
schon erwähnt, keinen Algorithmus zu haben, der ein Problem in einer
bestimmten Zeit und unter bestimmtem Ressourcenaufwand lösen kann.


Dem kann ich nicht beipflichten. Wie Du weiter unten ausführst, gibt es
unterschiedliche Komplexitätsgrade. Unterhalb eines bestimmten Grades
sollten die Aufgaben unter definierten Bedingungen notwendigerweise zu
lösen sein. Sonst würde Dein Beispiel nicht funktionieren.

Ok, wurde vielleicht nicht ganz klar.
"Optimale Grade" gibt es wohl nicht, daher meine Feststellung: Keine Komplexität wäre ideal => kein Aufwand nötig.

Die Definition von Komplexitätsgrad wäre von Vorteil.

In der Informatik kennt man Klassen. Man kann versuchen, Komplexität mathematisch einzugrenzen, und sagen: ok, das Problem ist mit einem Rechenaufwand von f(x)=x minimal lösbar, also linear. Andere Lösungen wachsen mit x², e^x, log(x) usw..
Darüber kann man abschätzen, welcher Komplexitätsklasse eine Lösung zugehörig ist. Es gibt hierfür speziell die O-Notation, die versucht, Algorithmen/Heuristiken und damit Probleme entsprechend einzuordnen (best/worst/average case).
Ein Problem hat also intrinsisch keine quantifizierbare Komplexität, die Lösung hierfür benötigt aber n Schritte. Ein Problem ist daher nur so kompliziert wie die beste Lösung dafür.

Beispiel Traveling Salesman Problem:
Es gibt 10 Orte, die ein Vertreter abklappern muss. Jeder Ort ist mit jedem verbunden. Daraus ergeben sich (Orte-1)! Kombinationen:
Bei 5 Orten: 120 Kombinationen
Bei 10 Orten: 326.880 Kombinationen
Bei 15 Orten: 1.307.674.368.000 Kombinationen

Nun kann man versuchen, es zu lösen:
a) exakt
z.B. mit Branch&Bound wird, je nach Algo, eine Komplexität von ca. O(2^n) erreicht, also bei 15 Orten sind ca. 32000 Schritte/Kombinationen notwendig.

b) heuristisch
z.B. mit der "welcher Nachbar ist der Naheststehende"-Taktik, welches das Problem - nicht optimal! - in ca. O(n*log(n)) löst; hier sind also ca. 17 Schritte.
(bitte nicht festnageln auf den exakten O-Abschätzungen, das kommt auf den Algo an)

Die Komplexitätsklassen kann man also hinsichtlich ihres Wachstumsverhalten sortieren. Für z.B. 5 Orte könnte man dieses Problem per Bruteforce vielleicht noch auf dem Papier lösen, darüber wirds schon knifflig, und ab einem bestimmten n reichen theoretisch selbst alle Rechnerressourcen der Welt nicht mehr aus, obwohl es im Prinzip nicht per se schwieriger wurde, nur aufwändiger und nerviger: es fehlen einfach nur die Ressourcen.

Wir alle hantieren täglich unterschiedliche komplexe Situationen und sind
oft erfolgreich. Wobei der Erfolg, wie auch das Scheitern sehr oft
(meistens) relativ ist. Totales Scheitern ist ebenso selten wie totaler
Erfolg.

Deswegen sind solche Ereignisse wie der absichtlich herbeigeführte
Absturz ebenso exzeptionell, wie das Erringen einer
Fußballweltmeisterschaft.

Wenn eine Depression o.ä. festgestellt wurde, ist man mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gefährdet, dumme Sachen zu machen. Wenn nun bei Eintritt eines Ereignisses, z.B. Pilot verlässt Cockpit, dieser dummeSachen-Moment zeitgleich auftritt, macht es vielleicht bumm.
Das Fussballbeispiel ist vielleicht nicht unbedingt ein Beispiel, da Trainer und Mannschaft durchaus heftige SWOT-Analysen etc. fahren, um Fehler klein zu halten, es wird also heuristisch gearbeitet; entscheidend kann hier vielleicht dann nur die Tagesform und das gewisse Quentchen Chaos sein. Natürlich kann man das bis hin zum Schmetterlingsflügelschlag weiterspinnen. Beeinflusst werden können diese Größen durchaus: Training, Doping, Rasenwahl, Spielerauswahl usw.

a) auf Erfahrungen zurückgegriffen wird: dies kann sowohl gut als auch
schlecht sein


Nein, Komplexität fängt viel früher an: Esse ich zum Frühstück ein
Müsli oder doch ein Croissant mit Butter und Honig? Eingedenk des
individuellen Gesundheitszustandes, der momentanen Verfassung, der Zeit die
ich noch habe bevor ich los muss, etc. pp.

DAS sind auch schon komplexe Situationen, die wir in aller Regel durch
Gewöhnung bewältigen, nicht immer in sinnvoller Weise, sondern so, dass
es eben geht (im Sinne von funktioniert).

Jupp, schrieb ich ja :)
Aus Erfahrung wird man klug, bedeutet auf ITisch: Man hat einen Lösungsraum, der im Laufe des Lebens durch Erfahrungen zurechtgeschnitten bzw. geteilt wird. Jemand, der morgens kCal braucht, Zeit x und sich y fühlt, weiss aus Erfahrung, dass Müsli eher kostenintensiver hinsichtlich x,y ist als Müsli und betrachtet diese Möglichkeit gar nicht erst bzw. hat die Lösungen bereits "im Cache" abgelegt. Genauso fahren wir für den Weg zur Arbeit morgens nicht erst in Gegenrichtung, weil man da auch ans Ziel kommen könnte (ok, ausser man wohnt in Rom).

1+1 = 2 > Komplexitätsgrad 1
2+2 = 4 > Komplexitätsgrad 2
Wenn man 1+1 zuerst löst, ist es nicht mehr komplex. 2+2 entspricht

daher

dann lediglich einem +1 gegenüber dem aktuellen Wissensstand.

Das verstehe ich leider nicht. 1+1 ist nicht komplexer als 1392847 + 1
oder 9083475 + 293854, denn es liegt eine feste, allgemein gültige und
akzeptiere Regel für die Bearbeitung des Problems vor.

Eine Grenze liegt in der Wahrnehmungsfähigkeit der Summanden durch den
Bearbeiter, deswegen in solchen Fällen auch die Exponentialschreibweise.

Hmm, was habe ich vielleicht übersehen, dass ich es nicht verstanden
habe?

Ja, da hast du auch Recht. Geht man von obiger O-Notation aus, läge mein Beispiel in der Komplexitätsklasse O(1). Hintereinanderschaltung von Addition erhöht die Komplexität nicht, sondern wird nur um eine Konstante ergänzt.
Es ging mir darum, dass man die zweite Formel, die aufwändiger ist, nur mithilfe der ersten Lösung berechnen kann. Vielmehr hätte ich etwas schreiben sollen à la
berechneWurzelaus(1+1)

Ich hoffe, es wird etwas klarer, was ich meine.

Ich empfinde Probleme die sich durch mich und mit durch mich vertretbarem
Aufwand lösen lassen als angenehm. Das sind echte Herausforderungen, die
im Zweifel unterschiedliche optimale oder eben suboptimale Lösungen haben
oder auch die Erkenntnis keiner sinnvollen Lösung innerhalb eines gegeben
Kontextes.

Ja, da wird so ziemlich jeder auch mit übereinstimmen können.

7. Wie reduziert ihr in eurem Alltag Komplexität?


Zeit nehmen und sich in ein Thema einarbeiten, soweit möglich. Wenn es

zu

schwer wird, liegen lassen oder eine Lösung nehmen, die vielleicht

80-90%

erfüllt, je nachdem.

Interessant finde ich die Beobachtung, dass sich viele Probleme durch
liegen lassen (reifen?) verringern. Natürlich nicht jedes, aber etliche.

Mit liegen lassen hatte ich zuerst an Abbruch gedacht, Reifung durch Liegenlassen, eine Nacht drüber schlafen, funktioniert jedoch tatsächlich manchmal auch, z.B. wenn man am nächsten Tag auf den Code oder Text schaut, den man irgendwo gegen Schichtende dahingeschludert hat. Manchmal reicht dafür auch eine 5 Minutenpause oder ein Telefonanruf...

Hmm, ist das die Begründung für Merkels Aussitz-Taktik?...

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.