@Leserbriefschreiber B.K (……@freenet.de): Target2-Salden, China & der Dollar

Liated mi Lefuet, Samstag, 21.03.2015, 13:03 (vor 3947 Tagen)2485 Views

Hallo Liated mi Lefuet,

Sali B.K.

Leserbriefschreiber B.K. (……@freenet.de) schrieb mir:

Entschuldigung für die Störung.
Ich suche Antworten auf die Frage zum EUR/CHF Desaster.
Ich habe eure Diskussion zum Interbankenmarkt gelesen.
Wir rätseln in einen anderen Forum darüber, wie sich
ein Broker hätte hedgen können bei den immensen CHF-
Nettoshort Positionen seiner Kunden. Ich gehe wie Elli
von Futures aus. Doch das Handelsvolumen reicht bei
weiten nicht aus.

Jetzt behauptet jemand im Forum, der Broker, würde sich
über den Interbankenmarkt absichern.
Der Broker gibt als Quelle seiner miserablen Ausführungen
an, dass es keine Liquidität im Markt gab. Deshalb konnte
er nicht handeln.
Wenn es nach seiner Theorie geht, dann hat der Broker doch

a)überhaupt keine Sicherheiten oder Verbindlichkeiten die
einen Tausch rechtfertigen würden

b) 90% der Anleger sind Europäer gewesen, wie will man da
auf seine eigene Währung setzen

c) was ist dann mit den Targetsalden, ich meine hier wechseln
Spekulationsbeträge die Seiten ohne eine Leistung? China
könnte sich doch so den Dollar entziehen wenn es so leicht
wäre? Einfach ein Wahrungstausch machen?

Also mein Weltbild fliegt Grad übern Haufen. Kannst du mir
bitte helfen?


Womöglich habe ich Dich nicht richtig verstanden. Der Anteil der Spekulation in Währungen (SiW) an Target2-Salden halte ich für relativ klein. Grund: SiW im grossen Stil läuft v.a. via CLS-Bank in New York. (OTC ist immer weniger „in“). CLS ist ein Multi-Währungs-Clearing House, das den Netto-Bedarf an ZBGM (‚Zentralbank-Geldmenge‘) drastisch reduziert. Um Faktor 50 (statt brutto 100% nur 2% netto) schrieb neulich die SNB.(Siehe hier: http://www.snb.ch/de/mmr/reference/continuous_linked_settlement/source/continuous_linke... , zur Seite 5 scrollen, fast ganz unten ).

Wenn irgendein Broker in der Schweiz sich an SiW beteiligen möchte, *muss* er das via CS, UBS oder ZKB (Zürcher Kantonalbank) abwickeln, weil das die *einzigen* schweizerischen Clearing Members bei CLS sind. In Deutschland ist die Situation dieselbe: Nur wenige deutsche Grossbanken sind an CLS angeschlossen. Darunter auch die Bank of China (BoC). Kurz: Ich selber sehe nicht, wieso die BoC diretk von Dollar abhängig sein sollte.


Ich schrieb neulich in Sachen Target2: Ein Computer in irgendeiner ZB (oder einem Clearing House wie CHAPS, CLS, Xetra, Clearstream) sucht in einer Warteschlange *pendenter* Zahlungen, nach gegenläufigen Zahlungen (sprich Verrechnungsmöglichkeiten!), um sie zwischen Bank A und Bank B zu verrechnen.
Übersteigt der Saldo gewisse Grenzen(*) wird der Vorgang blockiert, und Computeralgorithmen versuchen die Blockade aufzulösen, in dem sie weitere Verrechnungsmöglichkeiten suchen: zwischen Bank A und Bank C, dann zwischen Bank A und Bank D usw. usw. Bis in die 1990er-Jahre machte man dasselbe via Kontokorrente, noch frührer von Hand, in dem sich die Banker in Räumen der ZB trafen. Noch früher 12..Jh an europäischen Messen via Pergament(?). Zu Zeiten der alten Römer auf Kreidetafeln. Noch früher im antiken Mesopotamien via Tontäfelchen. Wer dazu seriöse historischen Quellen wünscht: Nur zu, ich bin nicht geizig mit Quellen. Sonst schon;- )

Was jagt die Target2 Salden hoch? M.E. dürften es v.a. A) die Staatsaktivtäten (Hilfspakte) bzw. B) Qantitative Easing (ECB kauft StaatsOblis auf) sein: Denn für solche Transaktionen gibt m.M.n. keine gegenläufigen Geschäfte, die man via Target2 verrechnen könnte.

Freundlicher Gruss

Liated


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