der liebe Nachbar betreibt einen Biergarten
Ja ... diese ewigen Schluck-Geraeusche
...
und ist gerade dabei, zu renovieren. Im ersten Schritt hat er zwei ca. 12 Meter hohe Tannen gefällt, die erheblich dazu beigetragen haben, dass sich die Geräuschkulisse im erträglichen Rahmen hielt.
Schallenergie, wie Lichtenergie oder Gravitation, haelt sich an das quadratische Abstandsgesetz. Es ist zwar nicht ganz einfach zu berechnen, aber grundsaetzlich: je naeher ein Schallschutz an DIR dran ist, desto eher absorbiert er die gesamte (Rest-) Energie, je weiter weg er ist, desto eher kann mehr durchkommen, wenn das Hindernis eine "Hoechstgrenze" der Absorption hat. M.a.W.: zwar sind das Multiplikations-Glieder in einer Formel, deren Anordnung an sich keine Rolle spielt, aber: wenn ich auf eine schuss-sichere Scheibe schiesse, kann es sein, dass die Kugel sie durchschlaegt (und mich dann noch mit verminderter Energie trifft), wenn die Scheibe einen Meter vom Schuetzen weg steht, aber dass sie nicht mehr durchschlagen wird, wenn sie einen Meter von mir entfernt, aber tausend Meter vom Schuetzen weg steht. (Hoffe, dass es dadurch klarer wird.)
Hinter den nunmehr nicht vorhandenen Bäumen blickt man jetzt auf eine hässliche Wand, die er neu verputzen und streichen lassen wird.
Erstmal: der Hauptschall, d.h. (mindestens!) die Haelfte, kommt DIREKT auf Euch zu. Nur die "andere" Haelfte geht erst in Gegenrichtung und wuerde dann reflektiert. Daher ist JEDE Massnahme auf EURER Seite mindestens (s.u.) doppelt so effektiv wie auf "seiner" Seite!
WENN also, angenommen, dieser Schallschutz-Putz ein Viertel des AUF IHN treffenden Schalls schlucken wuerde, dann:
1) Kommt die Haelfte des Schalls direkt bei Euch an = 0,5.
2) Kommen weitere 0,5-[0,5/4]=0,375 von der Wand zurueck
3) Macht zusammen 0,5 + 0,375 = 0,875 statt 1,0 "Schall" trotz Schallschluck-Putz!
(Die Rechnung stimmt deshalb nicht, weil der Schall ja erst in "Gegenrichtung" wandert, dann reflektiert wird und wegen des quadratischen Abstandsgesetzes wesentlich schwaecher auftrifft - was die Rechnung aber NOCH UNGUENSTIGER macht - denn der Schallschluck-Effekt wirkt sich noch geringer aus:
1) 0,5 DIREKTE Einstrahlung = 0,5
2) Wegen des DOPPELTEN Weges nur 0,25 aus indirekter Beschallung. "Daemmeffekt" des Putzes also nur 0,125/4 = 0,03125
3) Daher VOR Schalldaemmputz GESAMT-Schall 0,25 + 0,5 = 0,75,
NACH "Daemmung": (0,25-0,03125)+0,5 = 0,71875!)
Der "Krieg" ist also nicht wirklich zu gewinnen!
Da ich ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit dem Wirt habe,
Du gehst doch nicht ab und zu einen trinken?
würde ich ihm gerne etwas empfehlen. Entweder einen speziellen Putz oder eine Farbe, die den Schall „schluckt“. Hat jemand Empfehlungen zur Hand?
Das EINZIGE, was etwas hilft, ist, den Schall zu streuen, d.h. einen moeglichst rauhen Putz aufzubringen. Und wenn die Wand auch noch "konvex" waere statt einer Sammel-Linse, aber das kann man nicht erwarten.
Aber beides bringt, s.o., nicht wirklich viel. Und: die Dezibel sind eine logarithmische Skala.
D.h. die HALBIERUNG der Schallenergie bringt "nur" eine Reduzierung um ZEHN Dezibel! Siehe u.a. Vom Ticken der Uhr bis zum Presslufthammer ...
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Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
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