Stratfor: Die "Deutsche Frage" stellt sich wieder

Leserzuschrift @, Freitag, 13.03.2015, 18:13 vor 3956 Tagen 4968 Views

Hallo Forum,

laut George Friedman von Stratfor stellt sich wieder die seit 1871 bestehende "Deutsche Frage". Er präsentiert sie als quintessentielle Frage im gegenwärtigen geostrategischen Spiel der Mächte. Friedman war im Dezember in Moskau...

"In der ersten Dezemberhälfte war der Chef des privaten US-amerikanischen Nachrichtendienstes »Stratfor«, George Friedman, zu Gesprächen in Moskau. Er traf sich mit US-, Westeuropa- und NATO-Experten russischer Thinktanks und des Außenministeriums sowie mit international operierenden russischen Geschäftsleuten und Studenten, um sich ein Bild von den wirtschaftlichen und politischen Erwartungen des Landes zu machen.[...]"
https://www.jungewelt.de/2014/12-29/001.php

...und hat dann kürzlich eine Rede gehalten, die in puncto Klartext nicht viele Wünsche offen lässt. Dass die Verhinderung eines Bündnisses zwischen Deutschland und Russland seit über einem Jahrhundert das oberste Ziel amerikanischer / angelsächsischer Politik war, ist sicher kein von Friedman ausgeplaudertes Geheimnis. Aber dann: "Wer mir sagen kann, was die Deutschen [in der Causa Ukraine / Russland] machen, erzählt mir die nächsten 20 Jahre Geschichte." Die Deutschen hätten sich aber unglücklicherweise noch nicht entschieden, und dies sei das ewige Problem mit den Deutschen. Die nächste zu adressierende Frage sei die "Deutsche":

https://www.youtube.com/watch?v=oaL5wCY99l8&index=1&list=UUTAAUjBA90XyIa0QwZOzkSA

Kann man Friedmans Fragestellung anders auslegen, als man sie bereits die vergangenen 100 Jahre ausgelegt hat? Ich glaube nicht, wundere mich aber auch darüber, dass das besetzte Deutschland laut Friedman diese Wahl überhaupt habe.

Grüße,
M

We don't want to have relationship with Europe.

wihoka @, Freitag, 13.03.2015, 21:02 vor 3956 Tagen @ Leserzuschrift 2666 Views

Genau das ist der springende Punkt - und der deutsche Untertitel verschweigt dies, er lautet "wir haben keine Beziehungen mit ...". Der Redner sagt aber: wir wollen keine Beziehungen haben - wörtlich "we don't want to have..." und eben nicht 'we don't have'! (0:55, also nach nicht einmal einer Minute).

Und aus dieser grundsätzlichen Aussage entwickelt sich die gesamte amerikanische Politik - in jeder Hinsicht!

Vielen Danke für dieses Youtubevideo.

Wihoka

Bitte nicht verkehrt interpretieren. Europa ist ein Phantom

Ankawor, Freitag, 13.03.2015, 21:29 vor 3956 Tagen @ wihoka 2680 Views

Genau das ist der springende Punkt - und der deutsche Untertitel
verschweigt dies, er lautet "wir haben keine Beziehungen mit ...". Der
Redner sagt aber: wir wollen keine Beziehungen haben - wörtlich "we don't
want to have..." und eben nicht 'we don't have'! (0:55, also nach nicht
einmal einer Minute).

Und aus dieser grundsätzlichen Aussage entwickelt sich die gesamte
amerikanische Politik - in jeder Hinsicht!

Vielen Danke für dieses Youtubevideo.

Wihoka

Er sagt zwar: "Wir wollen keine Beziehungen zu Europa haben".

Aber er erklärt dann auch gleich warum:

Wir haben Beziehungen zu Rumänien, wir haben Beziehungen zu Frankreich ...

aber es gibt kein Europa, zu dem wir Beziehungen haben.

Das ist ein Hinweis darauf, dass "Europa" außerhalb manchmal als Phantom empfunden wird, das man nicht greifen kann.

Ein amerikanischer Politiker oder Präsident sagte einmal: Ich kann mich erst dann mit Europa unterhalten, wenn Sie mir einen Namen und eine Telefonnummer nennen. Aber das gibt es nicht. Wer ist Europa?

Sehr interessant. Vielen Dank!!! (oT)

hanno @, Freitag, 13.03.2015, 22:03 vor 3956 Tagen @ Leserzuschrift 1885 Views

- kein Text -

George Friedman gesteht die Alleinschuld der USA

Monterone @, Samstag, 14.03.2015, 11:37 vor 3955 Tagen @ Leserzuschrift 2162 Views

Vielen Dank für das Video! Äußerst interessant und aufschlußreich! Sieht man mal von dem unerträglich menschenverachtenden Zynismus ab, den George Friedman an den Tag legt, sind seine Ausführungen nicht nur für das Verständnis der Tagesaktualität von enormer Beutung, fast mehr noch für die Geschichte.

Indem er das Aufkommen der für den Westen, Hochfinanz und Demokratien so störenden deutschen Frage in's Jahr 1871 legt und damit auf Disraelis Kriegserklärung vom 9. Februar 1871 verweist, gesteht er, daß Angloamerika zwei mal hintereinander Europa in Brand gesteckt hat, nicht etwa Deutschland.

Das ganze Video über hatte ich den Eindruck, Friedman referiert und reichert mit seiner grinsenden Bosheit an, was Guido Giacomo Preparata in seinem Buch *Wer Hitler mächtig machte* darstellt.

Mein persönliches Fazit wäre, daß Friedmans Geständnis an der angloamerikanischen Schuld an beiden Weltkriegen ähnlich bedeutsam sein kann wie das von Chamberlain und Halifax gegenüber Botschafter Georges Corbin.

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.