Vorab: im Prinzip stimme ich mit Dir überein, doch man kann dies nicht mit
westlicher Brille betrachten.
Die Ukraine ist ein failed state, finanziell, wirtschaftlich, moralisch,
militaerisch bankrott. In allen Belangen von auslaendischer Hilfe
abhaengig.
Wieso denn das? Janukowitsch und Co. haben 100 Mrd rausgezogen - wahrscheinlich mehr.
Es war bereits vor ihm schlimm, aber unter ihm wurde es krass.
Des weiteren wurde die Ukraine von Russland gemolken, natürlich immer unter Mithilfe
der herrschenden ukr. Clans. Von "Russland" zu sprechen ist im Prinzip falsch, man
müsste Mafia sagen.
Es waere ein Leichtes, diese Hilfe von allgemeinen Referenden
abhaengig zu machen. Dann koennten diese territorialen Fragen so geklaert
werden, wie sie auch
Alles richtig, doch die Leute, die ich Donbass kennen, haben ein völlig anderes
politisches Bewusstsein als wir - mit wenigen Ausnahmen überhaupt keines, weil sie
Politik als Schwindel betrachten.
Die Ukraine ist bereits so kaputt, da braucht man keinen
dritten Weltkrieg fuer.
Den will auch niemand und ganz sicher nicht wegen der Ukraine. Wenn schon, dann
geht es um verletzten russischen Stolz oder um ein Regime, das nicht fallen will.
Die Tatsache, dass das Mediengetrommel fuer Poroschenko und gegen die
Separatisten in den letzten Monaten deutlich abgenommen hat, dass Merkel &
Hollande ploetzlich zu diplomatischen Vorstoessen draengen, dass aus Berlin
verlautbart wird, die Kommentare von Nato-Generaelen seien gefaehrlich
Ganz einfach, weil der Westen dort nichts machen kann. Er muss im Westen aufräumen,
z.B. mit all den Holdingstrukturen der Mafia. Da ist dann aber plötzlich auch die CDU/CSU
dagegen und wir Schweizer sowieso.
Anzeichen dafuer sein, dass die europaeische Politik jetzt - in Anlehnung
an Lebed - auch langsam die Geduld mit Poroschenko verliert und ihm
zusehends zu verstehen gibt, dass er seine europaeische Perspektive - und
die seines Landes - abschminken kann, wenn er nicht auf die Bremse tritt
und die militaerische Loesung der Donetzk-Frage abblaest.
Denke ich nicht. Aber man will auch nicht mit Poroschenko untergehen, weil der
in der Ukraine als Weichling gilt, der nicht durchgreifen kann - aber eine Sekunde
später will man dann selber nicht an die Front geschickt werden.
Das Machtsystem wird sich selber einpendeln.
Ob dann in 20 Jahren in Donetsk und Tiraspol ein Referendum durchgefuehrt
wird, oder ob man bis dahin diese Randerscheinungen nicht einfach ihres
Weges gehen laesst, wer weiss das schon. Die Ukraine jedenfalls taete heute
gut daran, sich mehr darauf zu konzentrieren, ihr voellig
abgewirtschaftetes Land irgendwie auf die Beine zu bringen, anstatt darauf,
die Ostukraine oder gar die Krim militaerisch zu erobern.
Nach Deinen Zeilen oben gibt es "die Ukraine" gar nicht so wirklich und das geht
uns in der Wahrnehmung allen so. Wie soll dann aber diese Ukraine, ohne wirklich
funktionierende Institutionen, in ein paar Monaten einen Turnaround hinlegen?
Janukowitsch hat sie in die Pleite geführt und gleichzeitig führt eine hybride
russische Armee Krieg - neben einer Menge anderen Paramilitärischen Einheiten.
Schau Griechenland an - kleinere Probleme, keine Invasoren, dazu Hilfe von anderen
Staaten und viel mehr Zeit - wo sind denn die hingekommen?
Leider fehlen
ihnen die Technokraten dafuer.
Die Technokraten kommen und arbeiten gleich für jene Leute, für die vorher
Janukowitsch gearbeitet hat. Kann ja nur gutkommen!
http://www.zeit.de/politik/2015-03/peer-steinbrueck-beratertaetigkeit-ukraine
Gibt es aber auch ein
Recht
auf Eroberung? z.B. von Mariupol?
https://www.youtube.com/watch?v=6mfj1eLebNo (ist natürlich ein
Propagandavideo)
Wirst Du von mir nicht hoeren. Das ist Krieg, das eskaliert permanent und
schaukelt sich auf, und wird weiter eskalieren, wenn man damit nicht
aufhoert.
War ernst gemeint. Das ist Propaganda. In Mariupol sind nach meinem Wissen etwa
60% eher prorussisch eingestellt. Natürlich nicht militant, aber am Familientisch.
Es geht aber vor allem um Fragen wie Pensionen und so.
Die Leute halten sich aber zurück, sie sind sich gewohnt, dass man sich anpassen
muss.
Ich glaube allerdings, dass Mariupol erheblich weniger Beschuss abbekommen
hat als Donetzk. In Mariupol sollten die Buerger selbstverstaendlich ebenso
abstimmen, welchem Staatsgebilde - wenn ueberhaupt - sie sich anschliessen
wollen.
Klar. In Mariupol stehen die wichtigsten Werke von "Metinvest", während in Donezk
auch Bandenkriege untereinander stattfinden. Dazu die militärischen Gefechte.
Die entscheidende Frage ist, wer ist der Motor des Konflikts, wer beginnt
ihn, wer treibt ihn. Und das ist m.E. immer die Zentralgewalt, sobald sie
mit Milizen und Militaers in das betroffene Gebiet einmarschiert und auf
die 'eigene' Bevoelkerung feuert um ihr Gewaltmonopol ueber das
aufstaendische Gebiet wiederherzustellen. In aller Regel ohne Kompromisse
und Einschraenkungen. Oder, wie zB in der Ukraine, sogar ohne mit der
Gegenseite auch nur Verhandlungen aufnehmen zu wollen.
Das stimmt so klar nicht. Auch die OSZE hat dokumentiert, ich habe das irgendwo
verlinkt, dass die "Republikaner" nicht verhandeln wollten.
Minsk 2 wurde klar nicht eingehalten und Debaltsewo wurde erobert.
Der Beschuss von russischem Territorium aus ist so gut dokumentiert, wie es
für unsereiner nur geht.
Dass auch ukr. Geschosse Zivilisten treffen, davon ist auszugehen und davon geht
auch Poroschenko offen aus.
In Jugoslawien war das Serbien.
In Transnistrien war das Chisinau.
In Tschetschenien war das Moskau/Putin
In der Ukraine ist das Kiev
Die Ukraine kämpft vor allem gegen russische Invasoren. Die Details sind aber
noch zu unklar.
Man kann es auch umgekehrt sehen, und Separationsbewegungen allgemein als
staatsfeindliche Verbrechen betrachten. Das koennte ich logisch noch
nachvollziehen. Dann muesste man die Bosnier, die Transnistrier, die
Tschetschenen und die Donetzker als Schuldige an den Konflikten ausmachen.
Die Donezker ware jahrelang an der Macht in Kiew und kamen nie auf die Idee,
sich loszusagen. Auch auf der Krim kam jene Partei, die für den Anschluss an
Russland war, nur auch unter 5%.
Wenn man Putin kritisieren will, bietet es sich an, darauf hinzuweisen,
dass er in Tschetschenien nicht anders vorgegangen ist, als Poroschenko
heute in der Ostukraine.
Nein, Putin geht in der Ukraine vor, wie zuvor in Tschetschenien, nur etwas
subtiler, weil er nicht offen dazu stehen will, dass er angreift.