"Prominente über deutsche Identität" - Sind wir ein Volk? (Hintergründe zu Bertelsmann)

azur @, Sonntag, 22.02.2015, 01:47 vor 4028 Tagen 4768 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 22.02.2015, 02:27

Hallo allen,

man fragt sich, warum die große Posaune TS diesen Beitrag bringt.

Prominente über deutsche Identität
Sind wir ein Volk?

Stand: 18.02.2015 16:09 Uhr

Die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen verschwimmen. Aber: Sind wir bereits ein deutsches Volk? Und was bedeutet deutsche Identität heute? Maxim Biller, Jörg Thadeusz, Wolfgang Thierse und andere antworten tagesschau.de persönlich, politisch und humorvoll."

Man fragt sich, ob man annimmt, dass nur wenigen die Tendenz darin auffällt. Und man fragt sich, ob deutsch sein nur noch damit verbunden sei die Verantwortung für die NS-Zeit zu übernehmen.

Man lese selbst: http://www.tagesschau.de/inland/deutsche-identitaet-103.html
(Die Angabe vom Stand oben, und die Nummerierung 103, sprechen für Anpassungen. Kennt jemand die Fassungen zuvor?)

Es sei also nahezu gleich, was hier gemeinsam ist. Das Gegenteilige billigt man vermutlich vor allem jenen zu, deren Gemeinsamkeiten als schützenswert gelten.

Oder soll provoziert werden? Vermutlich, und dafür sprechen die Mitglieder ders Establishments, die man hier zu Wort kommen ließ, gilt es als zeitgemäss das Gemeinsame nicht genauer anzuschauen, sondern als nicht besonders wertvoll anzusehen, als etwas, dass man in einem anderen Rahmen, wie der EU aufgehen lassen kann. Es spricht daraus keine Verantwortung für und kein Bezug auf etwas schlicht Vorhandenes. Und kein Bewusstsein seiner Selbst.

Es klingt übrigens ganz nach Bertelsmannhintergrund (**). Die sind ja wie ein Propagandaministerium, das Linien ausarbeitet und unter das Volk bringt.

Siehe auch:
Bundespropagandaamt?
Markus Kompa 20.02.2015

Zu den heute vergessenen Geschichten gehören die Pläne der Regierung Adenauer, nach dem Vorbild des Goebbelsschen Reichspropagandaministeriums ein Bundesministerium für Informationen zu installieren. Auch eine Verknüpfung einer solchen Überbehörde mit einem Bundes-Sicherheitshauptamt war angedacht worden, um die öffentliche Meinung zu steuern. Übrig vom Adenauer-Deutschland ist nur das "Presse- und Informationsamt der Bundesregierung" geblieben, in dem sich 445 Mitarbeiter darum bemühen, dass die Hauptstadtjournalisten möglichst nur in gewünschter Weise von ihrer grundgesetzlich garantierten Informations- und Pressefreiheit Gebrauch machen.

Wie das aussehen kann, petzte nun jemand bei Spiegel Online,...
http://www.heise.de/tp/news/Bundespropagandaamt-2556373.html

Bezug nimmt er auf:

"Aus der Asche des Überministeriums soll sich nun der Phönix eines Informationsministeriums erheben. Lenz und Globke wollen dem Informationsministerium übertragen:

* die gesamte Publizistik der Bundesregierung einschließlich der Ost-Propaganda;

* die Volksaufklärung;

* die Werbung für den Staat;

* die politische Information und Kontrolle der Auslands-Radiosendungen;

* die Vorbereitung des Pressegesetzes.

In dem Geheim-Memorandum für den Regierungschef wird empfohlen, folgende Institutionen und Organe im oder unter dem Bundesministerium für Informationen zusammenzufassen:

* das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung;

* die Bundeszentrale für Heimatdienst;

* bestimmte Institute für Volksbefragung;

* die Propaganda-Abteilung des Ministeriums für Gesamtdeutsche Fragen;

* eine Abteilung Wehrpropaganda;

* den für das Ausland aufgemachten mehrsprachigen Regierungsartikeldienst "Deutsche Korrespondenz".

Neu eingerichtet werden sollen:

* eine Filmabteilung;

* eine Rundfunkabteilung;

* ein drahtloser Dienst als Zentrale für die Nachrichten aller Rundfunkstationen, aus dem sich später eine Presse-Agentur entwickeln kann.

Außer diesem Memorandumvorstoß beim Kanzler haben Lenz und Globke auch an zwei weiteren Fronten ihren Angriff vorgetragen: im Parlament und in der Presse." (Das erinnert nicht an Bertelsmann, die ja sich auch schon länger als vor allem "global player" verstehen.)

Nun also ist die Linie offenbar deutsches zu relativieren.

Allen ein schönes Wochenende!

Viele freundliche Grüße

azur


* und die gleiche Verantwortungslosigkeit spricht aus dem Zustand der Brücken, Schulen, Verteidigung und der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft:
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/02/armutsbericht-armutsquote-gestiegen-be... (wobei von einer Dunkelziffer auszugehen ist, denn es wird nur an Hand HIV gemessen).

Für jene, die neulich überlegten, ob nur eine Seite seine Heimat liebte, die sollten z. B. Becher oder Brecht über ihr Heimatland lesen (siehe unten).

Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalbolschewismus

Das Erkennen, Anerkennen und Wertschätzen der eigenen Herkunft, des gemeinsamen Bezugsrahmens ist wohl nicht allein lagergebunden.

** Bertelsmann hatte unlängst Daten angeboten: http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsches-verhaeltnis-zum-holocaust-die-schlussstric...

Hier setzt sich jemand kritisch mit Bertelsmann auseinander: http://logr.org/vjfl/leitthemen/politik-wirtschaft/die-macht-der-lizenzpresse-bertelsmann/

PS: Im WWF gerade zitiert: Heinrich Heine:
Die schlesischen Weber (1845)

Im düstern Auge keine Träne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:
Deutschland, wir weben dein Leichentuch,
Wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,
Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt -
Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -
Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,
Wir weben emsig Tag und Nacht -
Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch -
wir weben hinein den dreifachen Fluch -
Wir weben, wir weben!

Mit Erläuterungen: http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/neunzehntes/vormaerz/heine/werke/weber.htm

"Kinderhymne"
Bertolt Brecht (eigentlich wunderschöne Musik Eisler, hier von einem Chor auf die aktuelle Hymnenmusik von Haydn)

1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.

4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebsten mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.


Heimat, meine Trauer ("Deutschland")
Text: Johannes R. Becher (ebenfalls von Eisler vertont)

Heimat, meine Trauer,
Land im Dämmerschein,
Himmel, du mein blauer,
Du mein Fröhlichsein.

Einmal wird es heißen:
Als ich war verbannt;
Hab ich, dich zu preisen,
Dir ein Lied gesandt.

War, um dich zu einen,
Dir ein Lied geweiht,
Und mit Dir zu weinen
In der Dunkelheit ...

Himmel schien, ein blauer,
Friede kehrte ein -
Deutschland, meine Trauer,
Du, mein Fröhlichsein.

--
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Die Frage der Identität wird gestellt. Es tut sich was.

re-aktionaer @, Sonntag, 22.02.2015, 08:59 vor 4028 Tagen @ azur 3165 Views

Das gibt in meinen Augen Hoffnung, denn es taucht damit ein neuer Begriff in der öffentlichen Debatte auf, der seit Jahren von der neuen Rechten thematisiert wurde. Die Frage kommt also aus dieser Ecke und man nimmt sich dieser - ob bewusst oder unbewusst plötzlich an. Ob die Haltung der Systemvertreter dazu nun negativ oder positiv ist, hat wenig Bedeutung. Die Tatsache, DASS das Thema im öffentlichen Diskurs auftaucht ist entscheidend. Intellektuelle die in einem Antinationalen Konsens aufgewachsen und sozialisiert sind, haben sich nie mit dem Thema ernsthaft befasst und können sich daher lediglich in Abwehrreflexen ergehen, wie uns dieser Artikel exemplarisch vorführt - Abwehr aber ist Reaktion, nicht aktion und daher der erste Schritt zur Niederlage.

Warum das Pferd von hinten aufzäumen?

baisse-man @, Sonntag, 22.02.2015, 09:52 vor 4028 Tagen @ azur 2995 Views

Hallo azur,

die Frage ist, warum und wann sollte sich mit irgendeiner Identität beschäftigen? Ist das nicht eher Ablenkung?

Ist die "deutsche Identität" eine wesentlicher Teil deines Selbst?

Wenn man so fragt, kommt man schnell dahinter, daß hier eine pyramidenartige Struktur erkennbar wird, die zwingend aufeinander aufbaut:

1.) Du bist Mensch, du bist selbst, das ich, hast eine Identität oder besser ein Selbst-Bewusstsein, wenn du dich selbst erkennst ("erkenne dich selsbt")

2.) Deine Familie, deine nächsten und liebsten, das sind die Menschen, zu denen du die engsten Beziehungen hast. Du identifizierst dich mit deiner Familie, deinem "Clan".

3.) Die (Dorf-)Gemeinschaft, also die unmittelbaren Nachbarn, Freunde und Verwandte.

4.) Die (wie man heute sagt) Region, wo "Menchen des gleichen Schlags" leben. Der "Stamm".

...

irgendwann kommt die "nationale" Identität oder die Eigenschaft, ein Europäer oder Weltbürger zu sein.

Der Punkt ist: Wenn in dieser Hierarchie eine Stufe nicht ausgeprägt ist, kann dann eine stabile "nationale Identität" entstehen, oder ist diese dann fragil und manipulierbar?
Heute scheitert es doch schon in vielen Fällen in der Familie im engeren Sinn, falls diese überhaupt noch vorhanden ist. Wenn dieser Kern nicht gegeben ist, ist alles andere künstlich und nicht nachhaltig.
Zu meiner "Familienidentität" kann ich mir Bilder, Menschen, Emotionen, Gefühle, etc. vorstellen. Da habe ich eine Beziehung. Je weiter es in der Liste bergab geht, desto abstrakter und unwirklicher wird dies.

Daher: Nicht auf das falsche Schlachtfeld führen lassen. Könnte eine Falle sein.

... nur so ein paar Gedanken.

Gruß

bm

--
Erkenne dich selbst.

Irgendwann kommt diese Frage (danke sehr @re-aktionaer)

azur @, Sonntag, 22.02.2015, 11:13 vor 4028 Tagen @ baisse-man 2664 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 22.02.2015, 11:29

Hallo bm,

in einem der Beiträge, die ich verlinkt hatte, wird ja so ein Schalenmodell angesprochen (und das ist ja auch nicht neu):

Wenn man so fragt, kommt man schnell dahinter, daß hier eine
pyramidenartige Struktur erkennbar wird, die zwingend aufeinander aufbaut:

1.) Du bist Mensch, du bist selbst, das ich, hast eine Identität oder
besser ein Selbst-Bewusstsein, wenn du dich selbst erkennst ("erkenne dich
selsbt")

2.) Deine Familie, deine nächsten und liebsten, das sind die Menschen, zu
denen du die engsten Beziehungen hast. Du identifizierst dich mit deiner
Familie, deinem "Clan".

3.) Die (Dorf-)Gemeinschaft, also die unmittelbaren Nachbarn, Freunde und
Verwandte.

4.) Die (wie man heute sagt) Region, wo "Menchen des gleichen Schlags"
leben. Der "Stamm".

...

irgendwann kommt die "nationale" Identität oder die Eigenschaft, ein
Europäer oder Weltbürger zu sein.

Was kommt denn noch dazwischen? (und hernach)

Und welche Bedeutung die Ebene der nationalen Identität? Da ist viel Schindluder getrieben worden und es erinnert an Oetingers: Deutsch sei bald nur noch eine Sprache im Feierabend: http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=146710

Der Beitrag kann die Debatte darum, was die gemeinsame Herkunft, Geschichte, Sprache, Kultur usw. bedeuten zwar anschieben, denn es gibt da wohl Handlungsbedarf.

Es nervt nur, dass man z. B. größtes Verständnis dafür hat, dass sich z. B. Türken weiter als Türken fühlen wollen, aber nicht die eigene Herkunft zu schätzen weiß. Meine Vorfahren waren alles Deutsche (was kein wirklicher Verdienst ist). Das geht meiner Umgebung auch fast durchweg so. Sprache, Kultur, Recht, nationale Geschichte (die weit älter ist, als oft suggeriert wird) - wir sind mit vielem gemeinsam aufgewachsen, es täglich um uns. Das ist doch nicht ohne Belang.

Und wer wird unsere Dinge schützen? Andere, von außen, denen die deutsche Identität und jede Stärke oftmals ein Dorn im Auge ist?

Und auch hier scheinen sich einige im Wettbewerb zu gefallen, jeden der auf die eigene Herkunft nicht nur oberkritisch, sondern wertschützend schaut, auszubremsen und zu diffamieren. Und das meint noch nicht mal jene, die, wie neulich Fotos gepostet wurden, Deutschland verrecke auf große Dächer schreiben ("verrecke"-Parolen sollten sich eigentlich in jeder Hinsicht verbieten), sondern die panisch werden wegen z. B.
Frei.Wild - Wahre Werte
http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=290035

Was ist das Problem?

Es ist wie mit allem: Zuviel ist albern, aber ignorieren auch.

Viele freundliche Grüße

azur

--
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Also ich bin von Geburt und Überzeugung Preusse.

Griba @, Dunkeldeutschland, Sonntag, 22.02.2015, 11:31 vor 4028 Tagen @ azur 2731 Views

Und da von Preussen nicht mehr viel übrig ist, orientiere ich mich eher an Hamburg (ohne deren neuzeitlichen und einem Hanseat unwürdigen Protz) als an BW oder BY. Insofern kann ich der Diskussion um's "Deutsch sein" nicht viel abgewinnen.

Im Ganzen gesehen halte ich diese Diskussion auch eher für kontraproduktiv: Perspektivisch werden wir es eher mit einem Europa der Regionen als der Nationalstaaten zu tun bekommen.

--
Beste Grüße

GRIBA

Ich glaube, die Frage nach deutscher Identitaet kann nur stellen, wer schon gar keinen Bezug zu ihr hat ...

CrisisMaven ⌂ @, Sonntag, 22.02.2015, 15:21 vor 4028 Tagen @ azur 2937 Views

bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 22.02.2015, 15:25

Interessante Froschungsergebnisse ... vielen Dank. Ich selbst greife ja in letzter Zeit immer weniger gern in Jauchegruben ... [[sauer]] ...

Wer aber die Frage so stellt, wie dort geschehen (das "ost/westdeutsche Lemma"), der muss irgendwie umnachtet sein.

Als 1870/71 ein preussischer Erbprinz ein Regiment Bayern gegen Frankreich befehligte, sagte ein bayrischer Soldat, als der General nach einer wieder mal gewonnenen Schlacht ihre Reihen abschritt und ab und an ein leutseliges Gespraech anfing, zu ihm:

"Jo mei, wann mir 1866 gegen die Saupreissn so einen g'habt haett'n wie Sia, dann haettn' mir die Saupreissn schee verklopft" ...

Oh, oh all' diese Super-Ethnologen ...

---

Kommt ein Preusse zu einem bayrischen Gottesdienst.

Dort sieht er einen volksfrommen Bauern sich wiederholt bekreuzigen, wozu er andaechtig "Doismois, doismois" sagt.

Der Preusse stutzt ein Weilchen, dann geht ihm ein Licht auf (ja, so san's, die Preissn ...) und sagt vaeterlich:

"Guter Mann, das heist 'deus meus'"

Der Bauer denkt eine Weile nach, und sagt dann "Kannetsei - s'hoast ja au net 'scheus preus'"

Noch einen schoenen Sonntag allen mit Bertelsmann und Weltbild ...

--
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Schöne Antwort: Ob und wann es von Belang sei. Aber: und sei es die Kasse

azur @, Sonntag, 22.02.2015, 23:50 vor 4028 Tagen @ CrisisMaven 2183 Views

Hallo CM,

schöne Antwort: Ob und wann es von Belang sei. Nur, wenn es z. B. um das Regeln eigener Angelegenheiten oder die Kasse geht, dann ist das schon etwas anderes. Der Rahmen, den Deutschland bietet, ist vermutlich mehr als wert geachtet zu werden. Die anderen werden es für uns kaum tun.

Ja, wenn es nur um Reparationen udgl. ginge, da würde man das Deutschsein sicher gern erhalten wollen.

Aber wenn es darum geht, die Handlungsfähigkeit Deutschlands zu beschränken, aufzuweichen oder gar zu verraten; dann kann man schreien: Das sei doch alles gar nicht wichtig.

Es ist erschreckend, wie wenig man das schätzt, dass von hoher und täglicher praktischer Relevanz ist.

Daran ändern auch Sachsen- , Preußen-, Bayern- und Ostfriesenwitze nichts.

Viele freundliche Grüße

azur

--
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Es gaebe aber Loesungen ...

CrisisMaven ⌂ @, Montag, 23.02.2015, 10:04 vor 4027 Tagen @ azur 2110 Views

bearbeitet von unbekannt, Montag, 23.02.2015, 10:09

Nur, wenn es z. B. um das Regeln eigener Angelegenheiten

Da kommen schon einige, und wollen "uns" nicht "alle" Angelegenheiten regeln lassen. Sitzen in Bruessel und Uebersee.

oder die Kasse geht,

Da duerfen wir gerne aushelfen ... [[freude]]

dann ist das schon etwas anderes.

Aber man sollte es nicht so laut diskutieren ... Das stoert den sozialen Frieden.

Der Rahmen, den Deutschland bietet, ist vermutlich mehr als wert geachtet zu werden.

Ja, einige moechen ja Bomber-Harris einladen, sich mal wieder zu vergewissern. Der hat ja 1945 zuletzt Stress gehabt, noch Ziele zu finden ... (wo die Kosten es gelohnt haetten).

Die anderen werden es für uns kaum tun.

Na, also da gibt es Krawattentraeger in Bruessel, die mir das stetig suggerieren wollen.

Ja, wenn es nur um Reparationen udgl. ginge, da würde man das Deutschsein sicher gern erhalten wollen.

Da bin ich mir nicht so sicher. Da habe ich lange drueber nachgedacht. Wenn, worauf ja auch Keynes nicht muede wurde, drauf hinzuweisen, dass die Reparationen "uns" ueberfordern wuerden (und daher vermutlich sollten), um "uns" niederzuhalten, dann ergibt die Logik, man wolle ein (zumindest wirtschaftlich) starkes Deutschland, keinen Sinn. Auch der Morgenthau-Plan ergibt dann keinen Sinn, oder?

Daher denke ich, das mit dem Wirtschaftswunder ging so daneben wie das mit der Einfuehrung der verpflichtenden Kennzeichnung "Made in Germany".

Wie man es macht, ist es falsch. Deutsches Schicksal.

Aber wenn es darum geht, die Handlungsfähigkeit Deutschlands zu beschränken, aufzuweichen oder gar zu verraten; dann kann man schreien: Das sei doch alles gar nicht wichtig.

Ja, obwohl man ja etliche wirtschaftswissenschaftliche Arbeiten finden kann, wonach Sklaven nicht so effektiv arbeiten.

Es ist erschreckend, wie wenig man das schätzt, dass von hoher und täglicher praktischer Relevanz ist.

Na ja, das hat sich ja schon bis ins Forum hinein gewuchert.

Daran ändern auch Sachsen- , Preußen-, Bayern- und Ostfriesenwitze nichts.

Doch, gerade: den Deutschen ist z.B. nicht klar, dass ein Bayer einen Ostfriesen nicht verstehen kann, wenn beide ihre angestammten Sprachvariante sprechen. Oder ein Hamburger einen Koelner. Die koennen sich, falls beide nicht Hochdeutsch koennten, nur auf Englisch unterhalten, weil sie das in der Schule zwangsweise hatten. Das ist den meisten nicht klar.

Da sind Witze mehr wert als ein akademisches Lehrbuch, das keiner liest.

Das gibt es in den Niederlanden nur mit der Provinz Limburg - und die hat eine eigene Sprachgeschichte. Das gibt es nicht in Belgien. Das gibt es nicht in England (ich sagte England - UK besteht aus vier Nationalitaeten - (Nord)Irland, Wales, Schottland und eben ... England). Das gilt nicht fuer die (deutschsprachige) Schweiz, fuer Oesterreich auch nicht in dem Umfang. Das gilt nicht fuer Polen, nicht fuer Ungarn. (Bitte, ich redete von Nationalitaeten - Sorben oder Rumaenen-Ungarn sind andere Nationalitaeten, sowie Tuerken in Griechenland!!! Und bitte nicht erzaehlen, die Belgier haetten Flamen und Wallonen - ja eben. Das sind unterschiedliche Nationalitaeten.).

Den kasachischen Russland-Deutschen im Projekt habe ich nur verstanden, weil ich Niederlaendisch konnte. Der sagt naemlich zum Loeffel Leepel. Alle andern (deutschen) Kollegen mussten sich mit dem auf ... Englisch unterhalten ... [[lach]] ...

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Dialekte und Einheitliches

azur @, Montag, 23.02.2015, 13:16 vor 4027 Tagen @ CrisisMaven 1944 Views

Hallo CM,

es heißt, schon die Hanse hätte eine einheitliche Sprache befördert.

Weiß aber nicht, warum auf diesen marginalen Unterschieden wie Dialekten herum zu reiten. Als ob es dadurch wirklich Probleme gäbe.

Klar, Deutschsprachige sind sogar in verschiedenen Staaten (vielfach auf dem Territorium des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, wie dies heißt).

Wesentlicher ist da schon das Gemeinsame. Eine deutsche Identität gibt es nicht weniger als eine italienischen oder niederländische, russische oder weitere.

Diese Land hatte verschiedene Zuschnitte usw. Aber auch das ging anderen nicht anders.

Warum alles nur relativieren. Wir haben unsere ganz eigenen Angelegenheiten und die sollten wir angemessen würdigen.

Viele freundliche Grüße

azur

PS: Taurec hat als Signatur: Es lebe unser heiliges Deutschland. Das freut mich immer!

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Nein, DAS ist doch gerade das Deutsch-Erstaunliche ...

CrisisMaven ⌂ @, Montag, 23.02.2015, 13:33 vor 4027 Tagen @ azur 2279 Views

Weiß aber nicht, warum auf diesen marginalen Unterschieden wie Dialekten herum zu reiten. Als ob es dadurch wirklich Probleme gäbe.

... dass das keine Probleme bereitet. Ausser in China kenne ich ein solches Phaenomen nicht. Daher sollte man es nicht beiseitewischen.

Wesentlicher ist da schon das Gemeinsame.

Das war ja gerade meine Stossrichtung. Wir waren schon immer Multi-Kulti. Allein die unterschiedlichen Trachten ...

Eine deutsche Identität gibt es nicht weniger als eine italienischen oder niederländische, russische oder weitere.

Nun, mir will scheinen, dass Deutschland (und deutsche Identitaet) sich ueber eine geographisch groessere Region erstreckten als russische.

Nochmal: Einzig China kann da m.E. mithalten ...

Und nein, ich bin KEIN Nationalist.

PS: Taurec hat als Signatur: Es lebe unser heiliges Deutschland. Das freut mich immer!

Wenn dieser Spruch nicht ausgerechnet sozusagen von einem Paederasten stammte, dann koennte ich dem etwas abgewinnen ...

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Leider zweifach falsch (ed)

azur @, Montag, 23.02.2015, 13:54 vor 4027 Tagen @ CrisisMaven 2006 Views

Hallo CM,

höchst unterschiedliche Dialekte, ja sogar Sprachen, sind auch in anderen Kulturen, die eine relative gemeinsame Identität entwickelten, und Staaten, als den genannte, nichts Ungewöhnliches. Gerade bei einer großen Fläche.

Du meinst ja George, aber der sprach von "geheimen Deutschland".

Und so steht dann in dem von Dir zitierten Artikel weiter unten:

"Wiederbelebt wurde der Begriff nach dem Zweiten Weltkrieg durch Edgar Salin und Marion Gräfin Dönhoff, die öffentlichkeitswirksam behaupteten, der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg habe vor seiner Erschießung die Worte „Es lebe das geheime Deutschland!“ ausgerufen. Historisch belegt ist durch Ohrenzeugen der Ausruf „Es lebe das heilige Deutschland!“,"

Taurec spricht nicht vom geheimen Deutschland, sondern schreibt: „Es lebe unser heiliges Deutschland!“, das ist auch noch mal verschieden.

Also lageste Du hierbei leider daneben.

Viele freundliche Grüße

azur

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Ok ... einen Punkt akzeptiere ich zur Haelfte ...

CrisisMaven ⌂ @, Montag, 23.02.2015, 14:21 vor 4027 Tagen @ azur 2126 Views

höchst unterschiedliche Dialekte, ja sogar Sprachen, sind auch in anderen Kulturen, die eine relative gemeinsame Identität entwickelten,

Das wuerde ich gerne mal naeher untersuchen. Meine bisherigen Studien der Dialektologie oder (diachronischen) Linguistik besagen, bezogen auf den weitgespannten Rahmen, den ich andachte (Flaechenstaaten wie China oder Deutschland) anderes.

Also lasse ich das erstmal dahingestellt.

Du meinst ja George, aber der sprach von "geheimen Deutschland".
Taurec spricht nicht vom geheimen Deutschland, sondern schreibt: „Es lebe unser heiliges Deutschland!“, das ist auch noch mal verschieden.
Also lageste Du hierbei leider daneben.

Also: zu Punkt eins: Belege fehlen mir.

Zu Punkt zwei: ja, ich weiss, es war um der Pointierung willen verkuerzt.

Aber Stauffenbergs waren George-Schueler. Und soweit ich es ueberblicken kann, haben alle, die diesen Spruch gehoert haben (wollen), ihn in den Kontext des "geheimen Deutschland" gestellt:

"Stauffenberg soll kurz vor dem tödlichen Schuß noch gerufen haben: 'Es lebe das heilige Deutschland!' ... Andere Zeugen wollen gehört haben: 'Es lebe das geheime Deutschland!'"

Wie das ist mit den Erinnerungen, hatten wir hier bereits diskutiert ... [[zwinker]]

Insofern verbuche ich diesen Punkt nach wie vor "zur Haelfte" fuer mich.

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